Flüchtlinge einstellen: Was Arbeitgeber beachten müssen

Die Herausforderungen bei der Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen sind groß, denn die passgenaue Vermittlung zwischen den Ansprüchen des Arbeitsmarkts und den Qualifikationen der Ankommenden ist schwierig. Doch vieles spricht dafür, die Barrieren zu überwinden. Der folgende Beitrag zeigt, was Unternehmen beachten müssen, die Flüchtlinge einstellen oder ausbilden wollen.  

Flüchtlinge einstellen - Was Arbeitgeber beachten müssenEine große Hürde ist die Sprachbarriere: Experten sind sich daher einig, dass das Erlernen der deutschen Sprache höchste Priorität haben muss. Die Bundesregierung plant nach Angaben der Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU), Deutschlehrer und Flüchtlinge künftig schon in den Erstaufnahmeeinrichtungen zusammenzubringen und spezielle Apps zum Erlernen der deutschen Sprache zu entwickeln.

Auch die Anerkennung von im Heimatland erbrachten Ausbildungsleistungen ist nicht ohne Weiteres möglich. Zeugnisse, Zertifikate oder andere Belege sind entweder auf der Flucht verlorengegangen oder angesichts der mitunter lebensbedrohlichen Situation in den Herkunftsländern gar nicht erst mitgenommen worden. Die Regierung will daher ein Programm auflegen, mit dem die beruflichen Stärken und Schwächen der Flüchtlinge analysiert werden sollen.

Trotz dieser Barrieren wirbt die Bundesagentur für Arbeit (BA) dafür, geflüchtete Menschen zu beschäftigen. Sie brächten meist berufliche und soziale Kompetenzen und Erfahrungen sowie Mehrsprachigkeit und Flexibilität mit. Da viele von ihnen länger in Deutschland bleiben werden und/oder Verwandte in der Heimat unterstützen wollen, zeigten sie eine „überdurchschnittliche Motivation, Eigeninitiative sowie eine hohe Lern- und Leistungsbereitschaft“.

Wer darf arbeiten?

Unterschieden wird zwischen Asylsuchenden, deren Anerkennungsverfahren noch läuft („Aufenthaltsgestattung“), anerkannten Flüchtlingen mit Aufenthaltserlaubnis und Geduldeten, deren Asylantrag abgelehnt wurde, die jedoch nicht abgeschoben werden können.

Am leichtesten gestaltet sich für Arbeitgeber die Anstellung von anerkannten Flüchtlingen: Sie dürfen jede Beschäftigung annehmen. Bei den anderen beiden Gruppen kann die Ausländerbehörde nach drei Monaten eine Arbeitserlaubnis erteilen. Knackpunkt ist die sogenannte Vorrangprüfung: Es wird zunächst geprüft, ob die Stelle nicht mit einem Deutschen oder EU-Ausländer besetzt werden kann. Die Prüfung entfällt für Asylsuchende und Geduldete, die seit 15 Monaten ununterbrochen in Deutschland sind, sowie für Akademiker und Fachkräfte in Engpassberufen. Jüngst wurden Rufe aus der deutschen Wirtschaft lauter, die Vorrangprüfung zu lockern.

Sonderfall Ausbildungsplatz

Eine Ausbildung ist für Asylsuchende vom vierten Monat des Aufenthalts an sowie für Geduldete vom Zeitpunkt der Erteilung der Duldung erlaubt. Allerdings muss die Ausländerbehörde dies gestatten und eine individuelle Beschäftigungserlaubnis für den Ausbildungsplatz beantragt werden. Für die Aufnahme einer qualifizierten Berufsausbildung kann die Ausländerbehörde eine Duldung erteilen, die über die Ausbildungsdauer hinweg verlängert werden kann. Voraussetzung ist, dass der Lehrling die Tätigkeit vor Vollendung des 21. Lebensjahres aufnimmt und nicht aus einem sicheren Herkunftsland stammt. Der Geduldete kann nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung eine befristete Aufenthaltserlaubnis beantragen.

Um das Prozedere bei der Berufsausbildung zu verbessern und zu beschleunigen, hat die Bundesregierung einige Erleichterungen beschlossen. Vom 1. Januar 2016 an können Geduldete mit einer Berufsausbildungsbeihilfe nach § 56 SGB III unterstützt werden, wenn sie seit mindestens 15 Monaten in Deutschland sind. Derzeit gilt noch ein Zeitraum von vier Jahren. Die Voraufenthaltsdauer junger Geduldeter wird auch für die sogenannte Assistierte Ausbildung (§ 130 SGB III) auf 15 Monate verkürzt. Die Bundesagentur für Arbeit weist darauf hin, dass Asylsuchende die rechtlichen Voraussetzungen für diese Hilfen selten erfüllen und diese daher faktisch nicht in Anspruch nehmen können.

Fördermöglichkeiten

„Spezielle und spezifische Fördermöglichkeiten, die ausschließlich auf die Beschäftigung von Flüchtlingen zugeschnitten sind, gibt es kaum“, schreibt die Handelskammer (HK) Hamburg. Je nach konkretem Fall ist aber die Gewährung von Zuschüssen der Arbeitsagentur für Einstiegsqualifizierungen (§ 54 a SGB III), etwa bei Langzeitpraktika, möglich. Des Weiteren kann die BA auch Zuschüsse zum Arbeitsentgelt gewähren, beispielsweise einen Eingliederungszuschuss. Auch mit dem Sonderprogramm „Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer in Unternehmen“ kann die BA mit Zuschüssen zum Arbeitsentgelt sowie einer Pauschale zu den Sozialversicherungsbeiträgen unterstützen. Die HK verweist außerdem darauf, dass es eine Vielzahl an regionalen Trägern und Verbänden gibt, die Arbeitgebern möglicherweise weitere Hilfestellungen anbieten können.

Unternehmen, die zur beruflichen Integration mittels Verbesserung der Sprachkenntnisse beitragen wollen, können an einem Programm des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge teilnehmen. Die „berufsbezogene Sprachförderung für Menschen mit Migrationshintergrund“ steht Arbeitssuchenden und sozialversicherungspflichtig Beschäftigten offen, die bereits ausreichende Deutschkenntnisse vorweisen, damit jedoch noch nicht den Arbeitsalltag bewältigen können. Pro Unterrichtseinheit muss der Arbeitgeber 3,20 Euro beisteuern.

Weitere Informationsmöglichkeiten:

  • Info-Broschüre der Bundesanstalt für Arbeit: Potentiale nutzen – geflüchtete Menschen beschäftigten
  • Leitfaden des Flüchtlingsrats Niedersachsen, 7. Auflage: Arbeitserlaubnisrecht für Flüchtlinge und MigrantInnen mit Aktualisierung
  • Leitfaden der HK Hamburg: Flüchtlinge in Ausbildung und Beschäftigung bringen

Autor: David Schahinian, freier Journalist/Foto: ©karepa-Fotolia.com