Kommt das Recht auf Homeoffice?

Einem Gesetzentwurf des Bundesarbeitsministers Hubertus Heil zufolge ist die Antwort ein Ja. Der Entwurf sieht für Beschäftigte einen Anspruch auf 24 Tage mobile Arbeit pro Jahr vor. Doch das Vorhaben stößt auch auf Kritik.

Anfang Oktober 2020 hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) einen Gesetzentwurf zur mobilen Arbeit vorgelegt. Dieser befinde sich derzeit noch in einer Frühkoordination und liege zur Prüfung beim Bundeskanzleramt. Erst danach können einzelne Bundesministerium den Entwurf prüfen, bei Bedarf überarbeiten und dann im Kabinett verabschieden. Ob Bundestag und Bundesrat schließlich aus dem Entwurf ein Gesetz verabschieden, bleibt ebenso abzuwarten.

Rechtlicher Rahmen für mobiles Arbeiten

Beschäftigte in Deutschland können den Wunsch nach mobiler Arbeit zwar mit ihrem Arbeitgeber besprechen, aber eine gesetzliche Regelung dazu gibt es bisher nicht. Die Einigung auf mobile Arbeit ist demnach eine freiwillige Entscheidung des Unternehmens. Es besteht keine Verpflichtung, dem Wunsch des Mitarbeiters nachzukommen. Wer die Anfrage eines Beschäftigten nach mobiler Arbeit ablehnen möchte, kann dies formlos ohne Angabe von Gründen oder Berücksichtigung von Fristen tun.

Mit mobiler Arbeit zeigen sich Arbeitgeber attraktiv für Fachkräfte. Sie können ebenso die Zufriedenheit in der Belegschaft steigern. Zwar gebe es bei vielen Unternehmen in Deutschland die Möglichkeit, mobil zu arbeiten. Aber im europäischen Vergleich herrsche hier noch eine starke Präsenzpflicht beziehungsweise Anwesenheitskultur, heißt es seitens des BMAS. Es beruft sich hinsichtlich seiner Gesetzesinitiative auf den Koalitionsvertrag. Darin heißt es unter anderen, man wolle mobile Arbeit fördern und erleichtern sowie einen rechtlichen Rahmen schaffen. Dazu zähle für Beschäftigte auch ein Auskunftsanspruch über Gründe, wenn ein Arbeitgeber mobile Arbeit ablehne. Ein Recht auf mobile Arbeit soll dafür sorgen, dass Homeoffice oder von unterwegs zu arbeiten, kein Privileg für wenige bleibt. Dafür sind 24 Tage pro Jahr als Untergrenze vorgesehen, überall dort, wo die Tätigkeit es zulässt. Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen können eine höhere Anzahl an Tagen vorsehen.

Vor- und Nachteile: Homeoffice und mobiles Arbeiten

Der Nutzen von mobiler Arbeit liegt auf der Hand. Mitarbeiter können Privates besser mit dem Job vereinbaren, sie verbringen weniger Zeit mit Pendeln oder im Straßenverkehr. Jedoch kann zunehmende Entgrenzung oder ständige Erreichbarkeit sich nachteilig auswirken. Gerade Erholungs- und Pausenzeiten kommen bei mobiler Arbeit schon mal zu kurz. So zeigen Studien, dass die Arbeitsbelastung im Homeoffice höher sein kann als an einem Büroarbeitsplatz.

Mit Vor- und Nachteile von Arbeit im Homeoffice hat sich eine Befragung der Hans-Böckler-Stiftung unter mehr als 6.000 Erwerbstätigen befasst. Demnach hat sich durch das Homeoffice die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben verbessert. Allerdings geben viele der Befragten an, dass die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben verschwimmen. Manche leisten darüber hinaus im Homeoffice mehr Wochenstunden als im Büro.

Gesetzesvorhaben: Zwischen Zustimmung und Kritik

Ein gesetzlicher Rahmen für mobile Arbeit inklusive eines Rechts auf Homeoffice ist sinnvoll und dringend nötig, darauf verweist Prof. Dr. Bettina Kohlrausch, wissenschaftliche Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Sie meint damit insbesondere eine objektive Zeiterfassung und Mitbestimmungsmöglichkeiten von Betriebs- und Personalräten. Die Gesetzesinitiative von Arbeitsminister Hubertus Heil setze an den richtigen Punkten an.

Das Bundeskanzleramt habe nach Angaben von Zeit Online den Gesetzentwurf abgelehnt. Dieser sei für eine weitere Abstimmung zwischen den Ministerien nicht geeignet. Ein Grund dafür: Zwar sehe der Koalitionsvertrag ein Auskunftsrecht vor, jedoch keinen Rechtsanspruch auf das Homeoffice. So äußern sich Stimmen des Koalitionspartners CDU/CSU ablehnend dem Gesetzentwurf gegenüber. Dabei gehe es aber nicht generell um das Arbeiten von Zuhause aus, sondern um den Rechtsanspruch, wie Tagesschau berichtet.

Autor: Sven Lechtleitner
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Stand: Oktober 2020