Kreative Interviewfragen: So lernen Sie Ihre Bewerber wirklich kennen!

Frage 8: Welches Tier würde unser Unternehmen Ihrer Meinung nach besonders gut repräsentieren?

o lernen Sie Ihre Bewerber wirklich kennen!

Diese Frage ermöglicht spannende Erkenntnisse, wenn es um die kulturelle Passung (Cultural Fit) zwischen Kandidat und Unternehmen geht oder wenn Sie eine Rückmeldung zur (Außen-)Wirkung bzw. Arbeitgebermarke Ihres Unternehmens einholen wollen.

Die Frage ist vor allem für Job-Interviews mit internen Bewerbern geeignet, die das Unternehmen aus dem Effeff kennen. Sie lässt sich aber auch sehr gut in Folgegesprächen mit externen Bewerbern einsetzen, die schon einen ersten fundierten Eindruck von Ihrem Haus gewinnen konnten.

Erwartungshorizont

Durch ihre Bildhaftigkeit spricht die Frage andere Hirnareale an und lädt zum Assoziieren ein. Sie wirkt plakativ und ist gerade deshalb knifflig, weil sie vom Kandidaten eine stark zugespitzte, aber dennoch stimmige Antwort verlangt. Er muss sich auf ein Tier festlegen und seine Wahl plausibel begründen. Daher wird er für seine Antwort vielleicht etwas Zeit brauchen.

Wenn ein Bewerber zu weitschweifigen Ausführungen neigt und nicht auf den Punkt kommt, hilft Ihnen diese Frage dabei, das Gespräch zu fokussieren. Denn zwangsläufig wird er durch die Wahl einer geeigneten Tier-Metapher eindeutige Akzente setzen. Achten Sie dabei auf folgende Nuancen:

  • Kommt die Antwort des Kandidaten spontan und schnell?
  • Braucht er unverhältnismäßig viel Zeit, um zu überlegen?
  • Wie geschmeidig moderiert er ggf. eine Denkpause?
  • Wie viel Kreativität zeigt er?
  • Fällt es dem Bewerber leicht, sich festzulegen?
  • Welche Tiere bezieht er in eine Art Vorauswahl mit ein?
  • Wie unterscheiden sich diese von seiner endgültigen Wahl?
  • Wie begründet er seine Wahl?
  • Auf welche Aspekte Ihres Unternehmens nimmt er Bezug (Marktposition, Strategie, Wettbewerbsvorteile, Innovationsfähigkeit, Organisation, Führungskräfte, Mitarbeiter, Produkte, Werte, Kultur etc.)?
  • Welche Eigenschaften des Tiers dominieren im Bild des Kandidaten?
  • Wie differenziert er das Bild weiter, etwa durch konkrete Beispiele, Verweise oder Einschränkungen?
  • Welchen Grad sozialer Erwünschtheit vermuten Sie in der Antwort?
  • Spricht der Kandidat auch kritische oder negative Aspekte an?
  • Welche persönlichen Präferenzen sind aus seiner Antwort ableitbar?

Eine gute Basis für den vertiefenden Austausch über Ihr Unternehmen, seine Ziele, Visionen, Stärken, und Chancen schaffen Sie mit folgender Anschlussfrage: „Was schätzen Sie an diesem Tier, was weniger?“

Praxistipp

Es lohnt sich, in Auswahlgesprächen von bewährten, aber angestaubten Routinen abzuweichen und individuelle Akzente zu setzen. Das funktioniert besonders gut mithilfe kreativer Fragen abseits des üblichen Weges (im Englischen auch „Offbeat Questions“ genannt), auf die sich die Kandidaten nicht oder nur eingeschränkt vorbereiten können.

Setzen Sie kreative Fragen im Auswahlgespräch gezielt ein: zum Beispiel, um die Eröffnungsroutine aufzulockern, wenn Sie nicht an den Kandidaten herankommen. Oder um neue Fahrt aufzunehmen, wenn der Dialog ins Stocken gerät. Oder um Themen anzusteuern, die der Bewerber von sich aus nicht anspricht.
 
Stellen Sie unkonventionelle Fragen auf keinen Fall, um Bewerber unter Druck zu setzen. Das wäre völlig kontraproduktiv. Allerdings dürfen sie durchaus mal knifflig oder provokant ausfallen. Deshalb ist es bei dieser Fragetechnik besonders wichtig, den Bewerbern fair und auf Augenhöhe zu begegnen. Empfehlenswert ist hier eine kurze Anmoderation – etwa mit folgendem Tenor: „Die nächste Frage klingt vielleicht etwas ungewöhnlich, aber ich würde gerne von Ihnen wissen ...“
 

Beitrag von: Jochen Gabrisch, Autor der Fachbücher "Die Besten entdecken" und "Die Besten im Gespräch"/Bild: ©Alexander Pokusay-Fotolia.com

 

Alle Fragen im Überblick

   
Kreative Interviewfragen: So lernen sie Ihre Bewerber wirklich kennen/Foto: ©Alexsander Fokusay-Fotolia.com

Frage 1: Angenommen, unser Unternehmen gäbe es über Nacht nicht mehr. Wo würden Sie sich stattdessen bewerben und warum? 

   
Kreative Interviewfragen: So lernen sie Ihre Bewerber wirklich kennen/Bild: ©Alexsander Fokusay-Fotolia.com

Frage 2: Man hat ja immer Kollegen, die man mag, und solche, die man weniger mag. Wie ist das bei Ihnen? – Beschreiben Sie uns einen Kollegen, auf den Sie gut verzichten könnten.

   

Frage 3: Viele Menschen haben ja einen „Tick“, eine merkwürdige Angewohnheit. Wie sieht das bei Ihnen aus?

   
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Frage 4: Wenn Sie sich Ihre Zufriedenheit im Beruf als Kurve vorstellen, wie würde diese Kurve im Zeitverlauf aussehen?

   
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Frage 5: Wenn Sie an Ihrer Führungskraft eine Sache ändern könnten, sodass Sie beide (noch) besser zusammenarbeiten würden, welche Sache wäre das?

   
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Frage 6: Welche Frage möchten Sie hier bei uns im Gespräch lieber nicht gestellt bekommen?

   
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Frage 7: Wenn Sie unser Gespräch an dieser Stelle einschätzen würden, wie läuft es aus Ihrer Sicht?


   
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Frage 8: Welches Tier würde unser Unternehmen Ihrer Meinung nach besonders gut repräsentieren?

   
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Frage 9: Was wäre aus Ihrem Leben – neben Familie, Freunden und Beruf – nicht wegzudenken?

   
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Frage 10: Oft gibt es ja doch ein Haar in der Suppe. Welches wäre das für Sie bei uns? Und wie würden wir diese Frage Ihrer Einschätzung nach umgekehrt beantworten? 

 

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