LAG Hamm: Call-Center-Agent darf wegen religiösem Abschiedsgruß gekündigt werden

 

von Frank Strankmann

Mitarbeiter, die in einem Call-Center zum Abschluss eines Telefongesprächs entgegen der Weisung ihres Arbeitgebers religiöse Abschiedsgrußformeln verwenden, riskieren unter Umständen ihren Job. Das ergibt sich aus einer aktuellen Entscheidung des Landesarbeitsgerichts Hamm (Az.: 4 Sa 2230/10).

Hintergrund ist der Fall eines Mannes, der als Telefonagent seine Kundengespräche mit der Formel „Jesus hat Sie lieb, vielen Dank für Ihren Einkauf bei […] und einen schönen Tag“ zu beenden pflegte. Nachdem der Arbeitgeber ihm dies mehrfach untersagt, der Mitarbeiter mit Verweis auf religiöse Gewissenskonflikte aber sein Verhalten nicht geändert hatte, sprach die Firma die fristlose Kündigung aus. Hilfsweise wurde zudem ordentlich gekündigt.

Während der Service-Mitarbeiter mit seiner dagegen gerichteten Kündigungsschutzklage vor dem Arbeitsgericht Bochum (Az.: 4 Ca 734/10) zunächst Erfolg gehabt hatte, folgte das LAG Hamm nun den Argumenten des Arbeitgebers – die außerordentliche Kündigung, so das Gericht, sei rechtens.

Zur Begründung hieß es u.a., der Mann habe sich „arbeitsvertragswidrig verhalten“. Zudem habe er im Prozess nicht in ausreichendem Maße „darlegen können, warum er in innere Nöte gekommen wäre, hätte er im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit bei der Beklagten darauf verzichtet, die ansonsten bei der Beklagten übliche Grußformel um die Worte ‚Jesus hat Sie lieb‘ zu ergänzen“.

Wer sich aber darauf berufe, dass das Befolgen einer Arbeitsanweisung ihn in seiner Glaubensfreiheit beeinträchtige, müsse „nachvollziehbar darlegen, dass er ohne innere Not nicht von einer aus seiner Sicht zwingenden Verhaltensregel absehen könne“. Das habe der Mann versäumt.

Besondere Bedeutung maß das Gericht in diesem Zusammenhang der Tatsache zu, dass der Kläger sich zwischenzeitlich bereit erklärt hatte, bei seinem Arbeitgeber einer sog. Prozessbeschäftigung nachzugehen – und sich dabei verpflichtete, „auf die Ergänzung der Grußformel zu verzichten“.

Insofern konnte nicht eindeutig festgestellt werden, dass die Arbeitsanweisung den Mitarbeiter tatsächlich in massive Gewissenskonflikte gebracht hätte. Daher sei die Kündigung letztlich rechtens

Revision zum Bundesarbeitsgericht in Erfurt wurde nicht zugelassen.

Urteil des Landesarbeitsgerichts Hamm vom 20.04.2011 (Az.: 4 Sa 2230/10).

Vorinstanz : Urteil des Arbeitsgericht Bochum vom 08.07.2010 (Az.: 4 Ca 734/10)