Lohnsteuer: Saisonbeschäftigung ausländischer Arbeitnehmer

Ob Logistik oder Gastronomie: Im Weihnachtsgeschäft nimmt das Arbeitsvolumen in vielen Branchen zu. Betriebe setzen oftmals Saisonarbeitskräfte ein. Handelt es sich dabei um ausländische Arbeitnehmer, sind bei der Steuer einige Besonderheiten zu berücksichtigen. 

Foto eines Schwerbehindertenausweises

In vielen Branchen - wie in der Landwirtschaft, Gaststätten, Hotels und Touristikunternehmen - fällt die Arbeit saisonal an. Ohne Arbeitskräfte, die für die Saison eingestellt werden, wären die Aufgaben nicht zu bewältigen. In Deutschland stehen geeignete Kräfte nicht immer in dem erforderlichen Umfang zur Verfügung. Betriebe werben um Mitarbeiter dann häufig im Ausland.

Beschränkte Steuerpflicht

Ausländische Saisonarbeitnehmer sind in Deutschland beschränkt steuerpflichtig, wenn sie

  • keinen Wohnsitz in der Bundesrepublik Deutschland haben;
  • sich nicht ständig hier aufhalten und
  • eine nichtselbstständige Tätigkeit in der Bundesrepublik ausüben.

Den Wohnsitz i.d.S. hat jemand dort, wo er eine Wohnung unter Umständen innehat, die darauf schließen lassen, dass er die Wohnung beibehalten und benutzen wird (§ 8 AO).

Den gewöhnlichen Aufenthalt hat jemand dort, wo er sich unter Umständen aufhält, der erkennen lässt, dass er an diesem Ort oder in diesem Gebiet nicht nur vorübergehend verweilt. Als gewöhnlicher Aufenthalt im Geltungsbereich dieses Gesetzes ist stets und von Beginn an ein zeitlich zusammenhängender Aufenthalt von mehr als sechs Monaten Dauer anzusehen (§ 9 AO).

Da Saisonarbeitnehmer in der Regel weder in der Bundesrepublik Deutschland einen Wohnsitz begründen noch sich hier gewöhnlich aufhalten und darüber hinaus eine nichtselbstständige Tätigkeit ausüben, sind sie beschränkt steuerpflichtig. Dies gilt zumindest, wenn - wie in der Regel - der Aufenthalt hier nicht länger als sechs Monate dauert.

Besonderheiten der beschränkten Steuerpflicht

Bei den danach beschränkt steuerpflichtigen Saisonarbeitnehmern ist der Arbeitslohn, den sie in der Bundesrepublik Deutschland erzielen, hier zu versteuern. Der Arbeitgeber muss die Steuerabzüge ermitteln und an das Finanzamt zahlen. Bemessungsgrundlage ist die erzielte Bruttovergütung.

Praxistipp: Die Besteuerungsmerkmale ergeben sich aus der "Bescheinigung für den Lohnsteuerabzug für beschränkt einkommensteuerpflichtige Arbeitnehmer", die das Finanzamt auf Antrag des Arbeitnehmers oder des Arbeitgebers ausstellt. Für diesen Antrag muss ein besonderer Vordruck verwandt werden.

Das ELStAM-Verfahren gilt für die Saisonarbeitnehmer nicht. In der Regel ist auf der Bescheinigung die Steuerklasse I vermerkt. Auf Antrag können Freibeträge, zum Beispiel für Werbungskosten eingetragen werden.

Wird aufgrund des Antrages ein Freibetrag auf der Bescheinigung eingetragen und beträgt der Arbeitslohn für das Kalenderjahr (Wert 2018) mehr als 11.400 EUR, ist der Arbeitnehmer verpflichtet, nach Ablauf des Kalenderjahres eine Einkommensteuererklärung beim Betriebsstättenfinanzamt (= Finanzamt am Sitz des Betriebes) abzugeben.

Die beschränkte Steuerpflicht bewirkt, dass der Arbeitnehmer zahlreiche persönliche und familienbezogene Vergünstigungen nicht in Anspruch nehmen kann.

Bemessungsgrundlage der Steuer

Grundlage für die Ermittlung der Lohnsteuer ist, wie bei anderen Arbeitnehmern auch, der Bruttoarbeitslohn des jeweiligen Abrechnungszeitraums. Die Lohnsteuer ist also in der entsprechenden Tabelle (Tages-, Wochen- oder Monatslohntabelle) abzulesen und einzubehalten.

Für Saisonarbeitnehmer ist aber zu berücksichtigen, dass sie in der Regel freie Unterkunft und Verpflegung erhalten. Im Hinblick darauf, dass die Mitarbeiter aber in der Regel an einem weit entfernten Ort wohnen, können zumindest während der ersten drei Monate die Verpflegungspauschalen steuerfrei belassen werden; sie sind bei unentgeltlicher Verpflegung auf null zu kürzen. Außerdem kann in Anwendung der Grundsätze der doppelten Haushaltsführung auch die Unterkunft steuerfrei belassen werden.

Praxistipp: Für die Steuerfreiheit von Kost und Logis muss der Saisonarbeitnehmer eine Bestätigung für den Nachweis der doppelten Haushaltsführung von seiner Heimatgemeinde vorlegen. Vordrucke gibt es im Internet. Gegebenenfalls kann der Nachweis aber auch auf andere Weise erbracht werden. Aber dann sollte die Steuerfreiheit mit dem Finanzamt abgeklärt werden.

Unbeschränkte Steuerpflicht auf Antrag

Viele Saisonarbeitskräfte erzielen ihr Einkommen fast ausschließlich hierzulande. Für sie gilt eine Sonderregel: Beziehen sie ihre Einkünfte zu mindestens 90 Prozent in der Bundesrepublik Deutschland, können sie beim Finanzamt beantragen, als unbeschränkt steuerpflichtig behandelt zu werden. Das Gleiche gilt, wenn die im Heimatland erzielten Einkünfte den Grundfreibetrag (Wert 2018) von 9.000 EUR – gegebenenfalls nach den Verhältnissen des Wohnsitzstaates gemindert – nicht übersteigen.

Staatsangehörigen eines EU/EWR - Staates, die von ihrem Ehegatten beziehungsweise Lebenspartner nicht dauernd getrennt leben, kann in diesem Fall die Steuerklasse III auf der Bescheinigung eingetragen werden. Voraussetzung ist, dass die ausländischen Einkünfte beider Ehepartner zusammen den doppelten Grundfreibetrag nicht übersteigen.

Die unbeschränkte Steuerpflicht hat den Vorteil, dass personenbezogene Vergünstigungen für die Dauer der Saisonarbeit gewährt werden können, wie beispielsweise das Kindergeld.

Pauschalversteuerung - kurzfristige Beschäftigung

Handelt es sich bei der Saisonarbeit um eine kurzfristige Beschäftigung, kann eine Pauschalversteuerung mit 25 Prozent erfolgen. Hinzu kommen der Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls die Kirchensteuer. Kurzfristigkeit i.d.S. liegt vor, wenn eine Dauer von 18 zusammenhängenden Arbeitstagen nicht überschritten wird und

  • entweder der Arbeitslohn während der Beschäftigungsdauer durchschnittlich 72 EUR je Arbeitstag und 12 EUR pro Arbeitsstunde nicht übersteigt oder
  • die Beschäftigung zu einem unvorhersehbaren Zeitpunkt sofort erforderlich wird.
  • Aus den Entgeltunterlagen sollte sich für evtl. Betriebsprüfungen nachvollziehen lassen, dass diese Voraussetzungen vorliegen.

Pauschalversteuerung - Beschäftigung in der Land- und Forstwirtschaft

Bei Beschäftigung in der Land- und Forstwirtschaft kann der Arbeitslohn auch pauschal mit einem Steuersatz von fünf Prozent versteuert werden (§ 40a Abs. 3 EStG). Allerdings gibt es dafür bestimmte Voraussetzungen:

  • Die Aushilfskraft muss in einem land- oder forstwirtschaftlichen Betrieb tätig sein.
  • Es müssen ausschließlich land- und forstwirtschaftliche Tätigkeiten ausgeübt werden (dabei ist eine Beschäftigung mit anderen Arbeiten bis zu 25 % der Gesamtbeschäftigungsdauer unschädlich).
  • Es darf sich nicht um eine land- oder forstwirtschaftliche Fachkraft handeln und sie darf nicht mehr als 180 Tage im Kalenderjahr für den Arbeitgeber tätig sein.
  • Die Kraft darf nur Arbeiten ausführen, die nicht ganzjährig anfallen.
  • Der Stundenlohn darf 12 EUR nicht übersteigen.

Zusätzlich sind auch in diesem Fall 5,5 Prozent der Lohnsteuer als Solidaritätszuschlag sowie ggf. die Kirchensteuer an das Finanzamt zu zahlen.

Praxistipp: Die umfangreichen Voraussetzungen für die Pauschalbesteuerung sollten sich zweifelsfrei aufgrund der Aufzeichnungen in den Entgeltunterlagen nachvollziehen lassen.

Tragen der Pauschalsteuer

Die Pauschalsteuer ist in der Regel vom Arbeitgeber zu tragen.

Praxistipp: Die Steuer kann aber auch auf den Mitarbeiter abgewälzt werden (§ 40 Abs. 3 EStG). Dies sollte schriftlich vereinbart werden.

 

Weitere Informationen
zur Saisonbeschäftigung ausländischer Arbeitnehmer - beispielsweise in der Sozialversicherung - finden Sie im Arbeitsrechtslexikon.
 

Autor: Heinz Dalheimer, Fachjournalist und Autor mit den Schwerpunkten Arbeits- und Sozialrecht /
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