Lohnsteuerrichtlinien 2015

Mit den Lohnsteuerrichtlinien 2015 werden die Rechtsänderungen aus den zwischenzeitlich ergangenen Gesetzen, der neueren Rechtsprechung des BFH und den Verwaltungsanweisungen berücksichtigt. Nachfolgend stellen wir einige wichtige Neuregelungen vor, auf die sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer zur Jahreswende einstellen sollten.

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Aufmerksamkeiten (R 19.6 Abs. 1 LStR)

Aufmerksamkeiten gehören bis zu einem Wert von 60 € (bis 2014 = 40 €) zu den nicht lohnsteuerpflichtigen Sachzuwendungen. Beispiel: Der Arbeitgeber schenkt dem Arbeitnehmer anlässlich eines besonderen Ereignisses (z.B. Geburtstag, Hochzeit) einen Blumenstrauß und eine DVD. Würde der Wert 60 € übersteigen, wäre der gesamte Betrag steuerpflichtig. Zu den Aufmerksamkeiten gehören auch Getränke und Genussmittel, die der Arbeitgeber zum Verzehr im Betrieb überlässt.

Arbeitnehmerjubiläum (R 19.3 Abs. 2 Nr. 3 LStR)

Übliche Sachleistungen des Arbeitgebers aus Anlass der Diensteinführung, eines Amts- oder Funktionswechsels, eines runden Arbeitnehmerjubiläums oder der Verabschiedung gehören nicht zum Lohn. Betragen die Aufwendungen einschließlich Umsatzsteuer aber mehr als 110 € je teilnehmender Person, sind die Aufwendungen dem Lohn hinzuzurechnen. Dabei werden Geschenke bis zu einem Gesamtwert von 60 € (bis 2014 = 40 €) in die 110 €-Grenze einbezogen. Auch bei einem Geburtstagsempfang bei einer als betrieblich zu bewertenden Veranstaltung werden ab 2015 Geschenke bis zu einem Wert von 60 € (bis 2014 = 40 €) einbezogen (R 19.3 Abs. 2 Nr. 4 LStR).

Arbeitsessen (R 19.6 Abs. 2 Satz 2 LStR)

Die arbeitnehmerbezogene Freigrenze für sog. Arbeitsessen (z.B. bei einem außergewöhnlichen betrieblichen Einsatz) wird zum 1.1.2015 auf 60 € angehoben.

Betriebsveranstaltungen (R 19.3 Abs. 6 LStR)

Geschenke an den einzelnen Arbeitnehmer anlässlich von Betriebsveranstaltungen werden nach der Neufassung der Lohnsteuerrichtlinien bis 60 € in die Gesamtkosten der Betriebsveranstaltungen einbezogen. Die Freigrenze von 110 € für Betriebsveranstaltungen soll im Übrigen durch eine Gesetzesänderung in § 19 EStG ab 2015 in einen Freibetrag in Höhe von 110 € umgewandelt werden. Der Vorteil der Ausgestaltung als Freibetrag ist, dass bei Übersteigen des Betrags nicht die gesamte Summe, sondern nur der übersteigende Betrag steuerpflichtig wird.

Steuerfreie Kindergartenzuschüsse (R 3.33 Abs. 3 Satz 4 LStR)

Die zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Lohn erbrachten Leistungen des Arbeitgebers zur Unterbringung (einschließlich Unterkunft und Verpflegung) und Betreuung von nicht schulpflichtigen Kindern der Arbeitnehmer in Kindergärten oder vergleichbaren Einrichtungen sind gem. § 3 Nr. 33 EStG steuerfrei. Aus Vereinfachungsgründen wird in den LStR 2015 klargestellt, dass von nicht schulpflichtigen Kindern ausgegangen werden kann, solange sie noch nicht eingeschult sind. Damit können bis zum Tag der Einschulung die Kindergartenzuschüsse ohne Weiteres steuerfrei übernommen werden.

Reisekosten (R 9.4 bis 9.8 LStR), doppelte Haushaltsführung (R 9.11 LStR)

Die Richtlinien wurden an die gesetzlichen Änderungen zum Reisekostenrecht angepasst. Für den Fall der steuerfreien Erstattung bei einer doppelten Haushaltsführung kann der Arbeitgeber bei Arbeitnehmern mit den Steuerklassen III; IV oder V das Vorhandensein eines eigenen Haustands und die erforderliche finanzielle Beteiligung ohne Weiteres unterstellen. Arbeitnehmer mit den Steuerklassen I, II und VI haben gegenüber dem Arbeitgeber das Vorhandensein eines eigenen Hausstands und die erforderliche finanzielle Beteiligung schriftlich mit Unterschrift zu bestätigen. Aufwendungen für eine Zweitwohnung am Beschäftigungsort im Inland können unabhängig von der Wohnungsgröße monatlich bis zu 1.000 € steuerfrei erstattet werden.

Fahrten zur ersten Tätigkeitsstätte (R 40.2 Abs. 6 LStR)

Die Regelungen zur Pauschalversteuerung von Fahrtkostenzuschüssen wurden aktualisiert. Zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn geleistete Arbeitgeberzuschüsse für die Fahren zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte, einem vom Arbeitgeber bestimmten ständigen Sammelpunkt/Treffpunkt oder einem weiträumigen Tätigkeitsgebiet (z.B. Zustellbezirk) sind steuerpflichtig, können mit 15 % pauschal besteuert werden. Für die Höhe des pauschalierbaren Betrags sind die tatsächlichen Aufwendungen maßgebend, höchstens jedoch der Betrag, der als Werbungskosten geltend gemacht werden könnte.

Erholungsbeihilfen (R 40.2 Abs. 3 Satz 4 LStR)

Erholungsbeihilfen des Arbeitgebers können mit 25 % pauschal besteuert werden, wenn sie im Kalenderjahr 156 € für den Arbeitnehmer, 104 € für dessen Ehegatten und 52 % für jedes Kind nicht übersteigen. Dabei handelt es sich um eine Freigrenze und nicht um einen Freibetrag (§ 40 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 EStG). Die Erholungsbeihilfen müssen für die Erholung des vorstehenden Personenkreises bestimmt sein und verwendet werden. Davon kann i.d.R. ausgegangen werden, wenn die Erholungsbeihilfe im zeitlichen Zusammenhang mit einem Urlaub des Arbeitnehmers gewährt wird.

Firmenwagengestellung mit Fahrer (R 8.1 Abs. 10 LStR)

Die Finanzverwaltung folgt mit den LStR 2015 der BFH-Rechtsprechung zur Höhe des geldwerten Vorteils bei einer Fahrergestellung mit dem möglichen Ansatz etwa der anteiligen Personalkosten des Arbeitgebers für den Fahrer. Alternativ wird aber aus Vereinfachungsgründen als Wahlrecht an den bekannten prozentualen Zuschlägen festgehalten.

Personalrabatt (R 8.2 LStR)

Bei Vorliegen der jeweiligen Voraussetzungen kann bei jedem einzelnen verbilligten Sachbezug vom Arbeitgeber zwischen der Pauschalbesteuerung nach § 40 EStG, der Anwendung der Rabattregelung des § 8 Abs. 3 EStG (mit gesetzlichem Bewertungsabschlag von 4 % und dem Rabattfreibetrag von 1.080 € jährlich) und der Einzelbewertung nach § 8 Abs. 2 EStG (Marktpreis ohne gesetzlichen Bewertungsabschlag von 4 % und ohne Rabattfreibetrag) gewählt werden.

 Autor: Diplom-Finanzwirt Bernhard Hillmoth. Foto: © fischer-cg.de - Fotolia.com

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