Mobiles Lernen - Was liegt 2014 im Trend?

Nach Angaben des MMB-Instituts für Medien- und Kompetenzforschung steigerte die deutsche E-Learning-Branche ihren Umsatz in den vergangenen Jahren jeweils im zweistelligen Prozentbereich. Der Trend wird sich nach Einschätzung des Branchenverbandes Bitkom fortsetzen, vor allem durch die rasante Zunahme von Mobile Learning-Anwendungen auf Smartphones und Tablets. Wir stellen die Trends für 2014 vor.

Vorteile des Mobilen Lernens

An den grundsätzlichen Vorteilen des Mobilen Lernens bestehen nach Angaben des Bitkoms keine Zweifel. Es mache Mitarbeiter zeit- und ortsunabhängig von stationären Rechnern, erweitere die Möglichkeiten des situationsbezogenen Lernens und erleichtere die Auffindbarkeit von Lerninhalten, etwa durch App-Stores. Weitere Pluspunkte sieht Bitkom-Präsident Professor Dieter Kempf in der weiten Verbreitung der Endgeräte sowie den geringen Kosten, die einen "niedrigschwelligen Einstieg" ins Thema ermöglichten.

Nutzer als aktive Produzenten

Mittlerweile hat sich der Markt für mobile Lernlösungen stark ausdifferenziert. Ein Trend ist nach Ansicht vieler Fachleute die spezielle Aufbereitung von Lerninhalten für den mobilen Einsatz. Diese Angebote werden künftig dominieren, da sie die neuen Möglichkeiten der Endgeräte, etwa die Ortsbestimmung des Nutzers, am besten ausnutzen. Auch das Micro-Learning, das Aufteilen der Lerninhalte in kleinste, gut und schnell abrufbare Einheiten, kommt dem Nutzungsverhalten der mobilen Mitarbeiter entgegen. So lässt sich die Wartezeit auf den nächsten Zug - oder den nächsten Kunden - gut und sinnvoll überbrücken.

Darüber hinaus könnten Lerner mit mobilen Endgeräten "gleichzeitig auch aktive Produzenten sein, indem sie beispielsweise Arbeitssituationen, Fragestellungen oder Probleme mit dem mobilen Endgerät dokumentieren und an andere Beteiligte verteilen", heißt es beim Branchenverband Bitkom. Eine Trendstudie des MMB-Instituts gießt allerdings ein wenig Wasser in den Wein: Nach wie vor würden sich "keine überzeugenden Konzepte zur Refinanzierung" abzeichnen. Werbeeinblendungen oder Micropayment-Lösungen würden von den Endbenutzern mehrheitlich nicht akzeptiert, so die Einschätzung der befragten Experten.

Mobile Lernvideos sind beliebt

Eine im November 2013 veröffentlichte internationale Studie der amerikanischen Brandon Hall Group ergab, dass 87 Prozent der befragten Unternehmen ihre Mobile Learning-Aktivitäten in den kommenden 12 Monaten intensivieren wollen. Zu den effektivsten Tools beim Mobile Learning zählen nach Angaben der 278 Befragten sogenannte Push-Notifications (69 Prozent), also Nachrichten, die automatisch über neue Inhalte informieren. An zweiter Stelle folgen mobile Videos, die 64 Prozent als "sehr" oder "extrem" effektiv bezeichneten.

Auch der E-Learning-Anbieter Skillsoft sieht Videolernen auf dem Vormarsch. Vor allem Lernsoftware für Führungskräfte müsse schnell und unkompliziert konsumierbar sein - eine Vorgabe, die Videos gut erfüllen würden. Allerdings liegt in der Kürze die Würze, wie auch die Untersuchung von Brandon Hall bestätigt: Die durchschnittliche Länge eines solchen Videos betrage neuneinhalb Minuten - "nicht unerträglich, aber immer noch nicht kurz genug für den typischen Nutzer mobiler Endgeräte". Stefan Janssen, Europa-Chef von Skillsoft, sieht weitere Trends im lösungsorientierten Lernen sowie in der Personalisierung von Online-Kursen.

Spielerisch lernen

Bei der Fachmesse Learntec standen Anfang Februar zudem "Gamification"-Prozesse im Mittelpunkt. Die jüngeren Generationen sind mit Computer- und Konsolenspielen groß geworden und nutzen sie oftmals auch noch im Erwachsenenalter. Insofern liegt es nahe, Lerninhalte beispielsweise in Aufgaben ("Quests") aufzuteilen und die Erfolge mit Fortschrittsbalken zu visualisieren.

Nach Ansicht von Trendforscher Peter Wippermann sind die Potenziale der neuen Lernformen noch längst nicht ausgeschöpft, wie er auf der Learntec erklärte: "Die Jüngeren kennen meist nur diese [interaktiven] Medien, gehen sehr spielerisch mit ihnen um und verbinden sich sozial in der ersten und zweiten Wirklichkeit. Die Lernangebote hinken hier oftmals noch deutlich hinterher."

Links:

Bitkom-Whitepaper "Sieben gute Gründe für mobiles Lernen".

Executive Summary der Brandon Hall-Studie (in englischer Sprache).

Autor: David Schahinian / Foto: © Scanrail - Fotolia.com