Personaltrends 2012: Im Zeichen der Demographie

Autorin: Beate Henes-Karnahl / Redaktion: Sven Lechtleitner

Der demographische Wandel ist im Personaler-Alltag angekommen - ob als leichter Windhauch oder kräftige Böe, hängt von der Branche. Tatsache ist: Das knapper werdende Angebot an Arbeitskräften dominiert die Trends in der Personalarbeit.

Freien Ausbildungsplätzen stehen immer weniger Jungendliche gegenüber, Vakanzen in Fach- und Führungspositionen bleiben länger unbesetzt und das Durchschnittsalter der Beschäftigten steigt zunehmend. Für Unternehmen Anlass genug, sich auf neue Herausforderungen im Personalmanagement einzulassen und die richtigen Trends zu erkennen. Doch wohin geht die Reise im Jahr 2012?

Trend - Auszubildende begeistern

Der Nachwuchs an Auszubildenden wird knapper. Die Unternehmen können gegensteuern, indem sie Schülerinnen und Schüler möglichst frühzeitig mit Ausbildungsberufen bekannt machen. Viele Möglichkeiten bieten sich dafür an: Schulen in der Umgebung können angesprochen werden, um die Ausbildungsmöglichkeiten vorzustellen. Ausbildungsmessen im eigenen Hause oder gemeinsam mit Unternehmen der Region wecken das Interesse von Jugendlichen. Auch können sich Unternehmen in einem regionalen Netzwerk zusammenschließen, um Schnupperangebote für den potenziellen Nachwuchs zu entwickeln.

Beispielhaft dafür ist eine Initiative in Sachsen: Landesweit wird Jahr für Jahr eine „Woche der offenen Unternehmen“ organisiert. Schülerinnen und Schüler ab der 7. Klasse können in den teilnehmenden Unternehmen eine Woche lang Berufsluft schnuppern. Die einwöchige Aktion wird in den Unternehmen wie in den Schulen gründlich vorbereitet und ist immerein großer Erfolg.

Die zahlreichen Ideen, wie Jugendliche für Berufe interessiert werden können, scheinen grenzenlos. Es liegt an den Personalverantwortlichen, für das eigene Unternehmen passgenau aktiv zu werden und den beruflichen Nachwuchs für sich zu gewinnen.

Trend - Gesundheitsmanagement

Hatte viele Unternehmen noch vor zehn Jahren kaum Mittfünfziger in ihren Reihen, so sind ältere Arbeitnehmer heute ein unverzichtbarer Bestandteil der Belegschaft. Die Alterssituation in den Betrieben verändert sich und erfordert geeignete Maßnahmen im Personalmanagement. Experten empfehlen daher den Unternehmen, das Thema Gesundheitsmanagement mit auf die Agenda 2012 zu nehmen.

Jedes Unternehmen braucht gesunde, fitte und engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – unabhängig vom Alter. Unternehmen tun sich zudem selbst Gutes, wenn sie auf die Leistungsfähigkeit der 50Plusler setzen. Diese unterscheidet sich zwar von unter Fünfzigjährigen, ist aber keineswegs geringer. Vor allem kann durch ein individuelles Gesundheitsmanagement die Leistungsfähigkeit in jedem Alter unterstützt werden.

Gesundheitstage im Jahr oder Seminare rund um gesunde Ernährung und Fitness schärfen bei den Beschäftigten das Gesundheitsbewusstsein. So kann jeder selbst seine Potenziale stärken, um das eigene Wohlbefinden zu erhöhen und die Gesundheit zu erhalten. Prävention statt Arbeitsunfähigkeit lohnt sich – für die Unternehmen wie für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Gründe für das steigende Durchschnittsalter in den Belegschaften gibt es etliche: Wesentlich sind die Vorruhestandsregelungen, die an Attraktivität verloren haben. Nicht zu vergessen ist die Rente ab 67 statt ab 65. Dieser spätere Renteneintritt wird seit August 2008 in monatlichen Schritten eingeführt und wird erstmals für den Geburtsjahrgang 1964 voll zum Tragen kommen.

Trend - Flexibilität

Flexible Arbeitszeitmodelle sind bei vielen Mitarbeitern schon heute sehr gefragt. Insbesondere Nachwuchskräfte, die Fachlaufbahnen und Führungspositionen anstreben, wünschen sich Flexibilität in der Arbeitswelt. Viele möchten ihre Arbeitszeit weitgehend mit ihren persönlichen Erfordernissen abgleichen – sei es der Kinder oder anderer Verpflichtungen wegen. Unternehmen, die nicht zwingend an feste Arbeitszeitmodelle gebunden sind, sollten Konzepte entwickeln, um diese Erwartungen zu erfüllen.

Unternehmen, die an feste Arbeitszeitmodelle gebunden sind, können überlegen, ob sie dennoch mit einer flexiblen und familienbewussten Personalpolitik glänzen wollen. Work-Life-Balance-Modelle sollten ganz individuell ausgehandelt und vereinbart werden: Wird auf solche Möglichkeiten auf den Webseiten des Unternehmens wie in Bewerbungsgesprächen hingewiesen, am besten mit Beispielen aus der Belegschaft, könnten sich Talente überzeugen lassen. Selbst dann, wenn diese Großunternehmen als Startrampe für die Karriere favorisieren.

In der Realität sind Deutschlands Unternehmen noch weit von Flexibilität entfernt. Nach der statistischen Arbeitskräfteerhebung im Jahr 2010 ist nur ein gutes Drittel der Beschäftigten in der Lage – beispielsweise im Rahmen einer Gleitzeit oder eines Arbeitszeitkontos – flexibel über die eigene Arbeitszeit zu entscheiden. Die meisten Arbeitnehmer (58,1 %) müssen sich nach starren Arbeitszeiten richten.

Trend - Employer Branding

Der Mittelstand kann mit seinen Vorzügen als Arbeitgeber punkten, wenn er seine Arbeitgeberqualitäten kommuniziert – mit der eigenen Arbeitgebermarke, der Employer Brand.

Blühen die Qualitäten nur im Verborgenen, profitiert zwar die vorhandene Belegschaft, aber potenzielle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfahren nichts davon. Doch genau darum geht es: Sich im Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter mit der eigenen Arbeitgebermarke ein Alleinstellungsmerkmal schaffen. Viele Jobsuchende möchten nicht einfach bei irgendeinem Unternehmen arbeiten, sie wollen sich für einen Arbeitgeber engagieren, der sich von der Masse abhebt.

Employer Branding ist ein Gebot der Stunde, um im Wettbewerb um Arbeitskräfte bestehen zu können. Unternehmen, die frühzeitig die Herausforderung Demographie annehmen, werden sie problemlos meistern.

Der demographische Wandel in Zahlen
Die Deutschen werden weniger und älter: Das prognostizieren die Demographen seit Jahren. Noch zählt Deutschland rund 82 Millionen Einwohner und rund 41,5 Millionen Erwerbstätige (Stand 10/2011). Der demographische Blick voraus auf das Jahr 2030 verheißt einen Rückgang der Bevölkerung um 5 Millionen Frauen und Männer. 77 Millionen Einwohner wird das Land dann vermutlich zählen. Unterstellt, dass in 2030 die Erwerbstätigenquote der heutigen entspricht, wird es dann rund 38,9 Millionen Erwerbstätige geben: im Vergleich zu heute ein Rückgang von 2,6 Millionen Erwerbstätigen.

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