Praktikanten in der Sozialversicherung

Wenn man von der Generation Praktikum spricht, ist damit nur ein kleiner, besonderer Teil von Praktikanten gemeint. Denn dabei handelt es sich meist um junge Menschen, die bereits ihr Studium abgeschlossen haben und auf der Suche nach einem festen Job sind. Um die Zeit zu überbrücken und Berufserfahrungen zu sammeln, arbeiten sie - meist notgedrungen - als Praktikanten in den verschiedensten Branchen.

Für diesen Personenkreis ist die sozialversicherungsrechtliche Beurteilung recht einfach: Bekommen sie kein Entgelt, besteht keine Sozialversicherungspflicht. Bleibt das Entgelt unter 400,00 EUR, handelt es sich um eine versicherungsfreie geringfügige Beschäftigung, für die allerdings der Arbeitgeber Pauschalbeiträge zur Kranken- und Rentenversicherung entrichten muss. Bei einem höheren Entgelt ist es ein ganz normales Beschäftigungsverhältnis und der "Praktikant" ist versicherungspflichtig wie jeder andere Beschäftigte auch.

 

Etwas schwieriger zu beurteilen sind die "echten" Praktika, die vor, nach oder während eines Studiums ausgeübt werden. Hier kommt es entscheidend darauf an, ob es sich um ein in der Prüfungs- oder Studienordnung vorgeschriebenes Praktikum handelt oder ob es auf freiwilliger Basis ausgeübt wird.

 

Bei einem vorgeschriebenen Praktikum während des Studiums (sogenanntes Zwischenpraktikum) besteht grundsätzlich Versicherungsfreiheit, gleichgültig ob der Betrieb dafür ein Entgelt zahlt oder nicht. Das gilt gleichermaßen für alle Versicherungszweige.

 

Anders sieht es bei einem freiwilligen, nicht vorgeschriebenen Zwischenpraktikum aus. Hier ist die Zahlung von Arbeitsentgelt und dessen Höhe entscheidend:

 

ohne Entgelt

Das Praktikum ist versicherungsfrei in der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung

Entgelt bis 400,00 EUR

Es handelt sich um eine geringfügige Beschäftigung, diese ist versicherungsfrei in der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung. Für die Krankenversicherung zahlt der Arbeitgeber einen Pauschalbeitrag von 13 %. Der sonst bei Minijobs zu zahlende Pauschalbeitrag zur Rentenversicherung von 15 % ist in diesen Fällen ausnahmsweise nicht zu zahlen.

Entgelt über 400,00 EUR

In der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung ist die Werkstudentenregelung anzuwenden. Bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von nicht mehr als 20 Stunden besteht hier Versicherungsfreiheit. In der Rentenversicherung ist die Beschäftigung  hingegen versicherungspflichtig.

 

Auch bei Praktika, die vor oder nach dem Studium ausgeübt werden, ist zunächst die Frage entscheidend, ob es sich um ein obligatorisches Praktikum handelt. Bei vorgeschriebenen Praktika gilt folgende Regelung:

 

ohne Entgelt

Das Praktikum ist versicherungsfrei in der Kranken- und Pflegeversicherung (hier besteht ggf. eine besondere Versicherung als Praktikant). In der Renten- und Arbeitslosenversicherung ist es versicherungspflichtig. Die Beiträge werden aus einem fiktiven Entgelt berechnet.

mit Entgelt

Das Praktikum ist versicherungspflichtig in der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung

 

Ist das Vor- oder Nachpraktikum nicht vorgeschrieben, handelt es sich um ein "normales" Beschäftigungsverhältnis, das entsprechend zu beurteilen ist:

 

ohne Entgelt

Das Praktikum ist versicherungsfrei in der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung

Entgelt bis 400,00 EUR

Es handelt sich um eine geringfügige Beschäftigung, diese ist versicherungsfrei in der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung. Für die Krankenversicherung zahlt der Arbeitgeber einen Pauschalbeitrag von 13 %, zur Rentenversicherung von 15 %.

Entgelt über 400,00 EUR

Das Praktikum ist versicherungspflichtig in der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung.

 

Und dann gibt es ja noch die Schülerpraktika, die meistens ab der neunten Klasse durchgeführt werden. Hier bestehen keine besonderen Regelungen. In der Regel werden sie ohne Entgeltzahlung ausgeübt und sind deshalb versicherungsfrei. Bei einer Entgeltzahlung bis zu 400,00 EUR handelt es sich um einen Minijob. Bei höheren Beträgen liegt ein versicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis vor.

 

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