Rechnungszinsabsenkung: Folgen für die betriebliche Altersversorgung

Am 04.07.2014 wurde vom Deutschen Bundestag das Lebensversicherungs-Reformgesetz (LVRG) verabschiedet. Das Gesetz sieht unter anderem die Absenkung des Höchstrechnungszinses auf 1,25 Prozent vor. Lohnt sich jetzt die betriebliche Altersversorgung für den Arbeitnehmer noch?

Rechnungszinsabsenkung

Das Gesetz sieht unter anderem folgende Regelungen vor:

- Eine Änderung der Verteilung der
  Bewertungsreserven

- Eine höhere Beteiligung der Versicherten
  an den Risikoüberschüsse

- Keine Offenlegung der Provisionen

- Absenkung des Höchstrechnungszinses
  zum 01.01.2015 auf 1,25 Prozent

Die Absenkung des Höchstrechnungszinses von 1,75 Prozent auf 1,25 Prozent betrifft nur neue LV-Verträge, die ab dem 01.01.2015 abgeschlossen werden. Bestehende Verträge die beitragspflichtig sind, sind hiervon nicht betroffen. Verträge die beitragsfrei sind und nach dem 01.01.2015 wieder beitragspflichtig werden, diese können unter Umständen auch den neuen niedrigen Höchstrechnungszinses als Grundlage haben.
Hierzu sollte beim Produktanbieter nachgefragt werden.

Wieso ist das Thema für die Personalabteilung von Bedeutung?

Die betriebliche Altersversorgung wird zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbart. Zur Finanzierung bedient sich der Arbeitgeber häufig eines externen Partners, dem sogenannten Versorgungsträger. Zu diesen Versorgungsträgern gehören Pensionskassen, Direktversicherungen und auch dem versicherungsförmigen Pensionsfonds. Alle diese Versorgungsträger unterliegen dem Höchstrechnungszins. Aber auch bei den Durchführungswegen Direktzusage und Unterstützungskasse spielt der Höchstrechnungszins eine Rolle, sofern sie versicherungsförmig rückgedeckt sind. Durch die Informationen aus der Presse könnten die Arbeitnehmer verunsichert sein und fragen in der Personalabteilung nach.

Was ist der Grund für die Absenkung?

Der Grund ist die andauernde Niedrigzinsphase am Kapitalmarkt. Die Höhe des Höchstrechnungszinses wird anhand der durchschnittlichen Umlaufrendite zehnjähriger Staatsanleihen, welche auf Euro lauten ermittelt. Er darf nicht mehr als 60 Prozent betragen. Die Absenkung sei im Interesse der Versicherten, da die Lebensversicherer den Garantiezins am Kapitalmarkt erwirtschaften müssen, damit die dauerhafte Erfüllbarkeit der Versicherungsverträge gewährleistet wird.“ Neben den zehnjährigen wurden auch die fünfjährigen Zinsszenarien zur Analyse herangezogen, um in dem derzeit weiter anhaltenden Niedrigzinsumfeld die mittelfristige Perspektive und die gestiegene Volatilität stärker in den Blick nehmen zu können“, so die Deutsche Aktuarvereinigung in ihrer Pressemitteilung vom 08.01.2014. Die Deutsche Akturarvereinigung gibt immer eine Empfehlung über die Höhe des Rechnungszinses in der Lebensversicherung ab.

Lohnt sich die betriebliche Altersversorgung für den Arbeitnehmer noch?

Wie nach jeder Zinssenkung stellt sich die Frage, ob sich der Neuabschluss einer betrieblichen Altersversorgung für den Arbeitnehmer überhaupt noch lohnt.

Seit über zehn Jahren fördert der Gesetzgeber die betriebliche Altersvorsorge durch Entgeltumwandlung über den Arbeitgeber. Aufgrund des kollektiven Sparens sowie des Einschlusses von vorzeitigen Risiken wie Tod oder Erwerbsminderung lohnt es sich immer noch, eine betriebliche Altersversorgung, auch mit einem Rechnungszins von 1,25 Prozent, abzuschließen. Beim kollektiven Sparen zahlen die Versicherten, im Gegensatz zum individuellen Sparen, immer nur einen Durchschnittsbeitrag. Der Vorteil hieran ist, dass die Altersrente auch dann noch gezahlt wird, wenn das individuelle Kapital schon längst aufgebraucht wäre. Der Versicherte überträgt somit das Langlebigkeitsrisiko auf den Versorgungsträger. Nur durch den Zusammenschluss von vielen Personen mit dem gleichen Risiko wird es versicherbar.

Zusätzlich können noch weitere Gesichtspunkte für eine betriebliche Altersversorgung sprechen.
Die Betriebsrente ist aufgrund von Steuervorteilen, der geringen Kosten und der hohen Sicherheitsstandards besonders attraktiv. Sie lohnt sich für fast jeden Arbeitnehmer – egal wie viel er verdient und wie er krankenversichert ist. Bei einer Entgeltumwandlung können 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung West steuer- und sozialabgabenfrei (2014 max. 2.856 € jährlich) als Beiträge zur betrieblichen Altersversorgung eingezahlt werden.
Zudem geben einige Unternehmen ihre eingesparten Sozialabgaben als Zuschuss on top.

Außerdem ist selbst ein Garantiezins von 1,25 Prozent derzeit noch immer mehr wert als die Geldanlage auf Sparbüchern (ca. 0,3 Prozent) oder Tagesgeldkonten (ca. 0,6 Prozent). Nicht ausschließen sollte man auch, dass der Rechnungszins in Zukunft wieder steigt und die Phase niedriger Zinsen keine dauerhafte Erscheinung bleibt. Ohnehin kommt es beim Modell der Lebensversicherung nicht nur auf den Garantiezins an. Entscheidend ist letztendlich immer die tatsächliche Verzinsung der Beiträge. Hierzu zählen selbstverständlich auch die Überschüsse. Zwar sinken die Überschüsse in den letzten Jahren, aber bei vielen Anbietern sind sie höher als der aktuelle Garantiezins. Aber letzten Endes ist eine Lebensversicherung keine Kapitalanlage sondern immer eine Versicherung, die Risiken trägt, die die einzelne Person nicht tragen kann.

Autor: Michael Oliver Skudlarek/Bild: ©smutnypan - Fotolia.com