Recruiting-Strategie: Mitarbeiterempfehlungsprogramm

Viele Personaler setzen bei der Suche nach Talenten auf das Prinzip "Mitarbeiter werben Mitarbeiter" – aus gutem Grund. Von diesem Empfehlungsmarketing profitiert nicht nur das Recruiting, sondern das Unternehmen als Ganzes.

Zwei junge Frauen freuen sich über eine offene Stelle im Internet

Die passive Personalsuche – also das Schalten von Stellenanzeigen – führt in manchen Branchen und Berufsbereichen kaum mehr zum Erfolg. Schwindende Fachkräfte, hoher Wettbewerbsdruck und Anspruchsdenken jüngerer Generationen erfordern neue Recruiting-Strategien. Das bloße Abwarten, bis passende Bewerbungen eingehen, ist in vielen Fällen nicht mehr zeitgemäß. Aktivität ist gefragt. In der Personalbeschaffung müssen Unternehmen zunehmend neue Wege gehen, um offene Stellen zu besetzen. Als vielversprechende Variante stellen sich Mitarbeiterempfehlungsprogramme dar.

Mitarbeiter als Multiplikatoren nutzen

Empfehlungsmarketing im Recruiting ist als Konzept "Mitarbeiter werben Mitarbeiter" zu verstehen. Das bedeutet: Werben Mitarbeiter im Bekannten- oder Verwandtenkreis für eine Vakanz im Unternehmen, sichern sie sich die Chance auf eine Prämie. Voraussetzung: Der geworbene Kandidat durchläuft erfolgreich den Bewerbungsprozess und es kommt zur Einstellung. Bei Vertragsunterzeichnung oder auch erst nach erfolgreich überstandener Probezeit des neuen Mitarbeiters erhält der Werbende eine Prämie. Jeder Beschäftigte wird bei dem Empfehlungsprogramm zu einem Multiplikator. Stellenausschreibungen können so eine größere Reichweite erzielen.

Für Arbeitgeber bieten Mitarbeiterempfehlungsprogramme gleich mehrere Vorteile: Einerseits unterstützt diese Recruiting-Strategie die übliche Personalsuche. Das Unternehmen gewinnt zusätzlich Bewerber. Andererseits wirkt sich die Weiterempfehlung positiv auf die Arbeitgebermarke sowie das gesamte Unternehmensimage aus. Mitarbeiter tragen die Marke und ihre Zufriedenheit nach außen. Grundvoraussetzung ist jedoch, dass eine gewisse Zufriedenheit im Unternehmen beziehungsweise in der Belegschaft herrscht. Vor Einführung eines solchen Programms ist eine Zufriedenheitsanalyse – beispielsweise durch eine Mitarbeiterbefragung – ratsam.

Ein attraktives Bonusprogramm für Mitarbeiterempfehlungen sollte jedes Unternehmen haben, bestätigt die World-of-Work-Studie der Jobbörse Monster. So sagen 67 Prozent der befragten HR-Experten hierzulande, dass die eigenen Beschäftigten die wichtigste Quelle für neue Mitarbeiter sind. Gleichzeitig zeigen die Umfrageergebnisse der entsprechenden Mitarbeiterbefragung in Deutschland, dass die direkte Empfehlung von besten Freunden, des Partners oder ehemaliger Kollegen bei der Job-Wahl wichtig ist.

Auf die richtige Prämie kommt es an

Die Zufriedenheit der Belegschaft hängt nicht nur mit finanziellen Aspekten zusammen. Vielmehr kommt es auf Wertschätzung und diverse andere Faktoren im Unternehmen an. Dennoch beinhalten Mitarbeiterempfehlungsprogramme im Allgemeinen monetäre Anreize. Die Möglichkeit einer Prämie erhöht die Motivation, Stellen weiter zu empfehlen. Ein Essensgutschein mag vielleicht gut gemeint sein, aber für einen wirklichen Anreiz bedarf es etwas mehr. Manche Unternehmen setzen auf Prämiengutscheine, die werbende Mitarbeiter bei erfolgreicher Vermittlung in bekannte Online-Shops einlösen können. Andere wiederum nutzen klassische Geldprämien. Die Höhe von Geldprämien kann je nach Unternehmen sowie Branche und Berufsfeld variieren. Geldprämien können beispielsweise bei 100 Euro liegen, wenn Mitarbeiter Kandidaten für eine Aushilfsstelle werben – oder auch bei 1.000 Euro und höher, wenn sie Kandidaten für Fach- oder Führungspositionen werben. Jedes Unternehmen sollte individuell entscheiden, welche Prämie für ihre Beschäftigten einen Anreiz bietet.

Für Arbeitgeber sind Mitarbeiterempfehlungsprogramme ein lohnenswertes Modell. Die Kosten für Stellenausschreibungen lassen sich bei einem erfolgreichen Programm reduzieren. Gleichzeitig erhöht sich die Bewerberanzahl. Und: Die Beschäftigten wissen in der Regel, wer gut ins Team und zur Unternehmenskultur passt. Zudem steigen die Motivation der Werbenden sowie ihr Zugehörigkeitsgefühl zum Unternehmen.

Autor: Sven Lechtleitner, freier Journalist, Köln
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