Reisekostenreform 2014 (Teil II) – Mahlzeiten und Verpflegungspauschalen

Nachbesserung erwünscht: Neben der  Tätigkeitsstätte steht außerdem die  Verpflegungspauschale im Fokus der Reisekostenreform 2014. Verbände und Experten sehen an manchen Stellen noch Optimierungsbedarf.

ReisekostenreformNeu ist die Zweiteilung der Verpflegungsmehraufwendungen. Für eintägige Auswärtstätigkeit ohne Übernachtung im Inland gilt: Ab einer Abwesenheit von mehr als acht Stunden von der Wohnung oder der ersten Tätigkeitsstätte erhalten Arbeitnehmer zwölf Euro Pauschale. Bei 24 Stunden beläuft sich der Betrag auf 24 Euro. Für An- und Abreisetage einer mehrtägigen Auswärtstätigkeit mit Übernachtung können Arbeitgeber ohne Prüfung einer Mindestabwesenheitszeit eine Pauschale von jeweils zwölf Euro steuerfrei ersetzen. Dabei spielt es keine Rolle, ob Arbeitnehmer die Reise von der Wohnung oder der ersten Tätigkeitsstätte aus antreten.

Mahlzeiten, die Arbeitgeber während einer beruflich veranlassten Auswärtstätigkeit bereitstellen, bewerten sie wie bisher mit den amtlichen Sachbezugswerten. Voraussetzung dabei: Der Wert der gestellten Mahlzeit übersteigt nicht 60 Euro. Neu ist hingegen, dass die Sachbezugswerte nicht greifen, sobald Mitarbeiter zusätzlich zur gestellten Mahlzeit eine Verpflegungspauschale erhalten würden. Stattdessen erfolgt tagesweise eine Kürzung der zustehenden Verpflegungspauschale anhand von Pauschalsätzen:

  • für Frühstück um 20 Prozent,
  • für Mittagessen um 40 Prozent,
  • für Abendessen um 40 Prozent.


Der Gesetzgeber bezieht die Pauschalsätze auf eine 24-stündige Abwesenheit. Das entspricht einem Abzug von 4,80 Euro für ein Frühstück sowie jeweils 9,60 Euro für ein Mittag- und Abendessen.

Nachbesserungen erwünscht

„Die Änderungen bei den Verpflegungspauschalen zu begrüßen“, sagt Schreiber. Sowohl die zweistufige Staffelung als auch der Verzicht auf Mindestabwesenheitszeiten bei den Verpflegungspauschalen führe zu einer Vereinfachung. Als Herausforderung hingegen bezeichnet er die steuerliche Behandlung von Mahlzeitgestellung durch den Arbeitgeber. „Die Regelungen sind zum Teil derart komplex, dass viele Arbeitgeber vor großen Schwierigkeiten stehen, die Regelungen in der Praxis umzusetzen. Eine administrative Vereinfachung ist ebenfalls nicht zu erkennen.“

Nachbesserungsbedarf besteht auch laut BDI: Insbesondere bei der Mahlzeitenbewertung und deren Besteuerungsmöglichkeiten seien weitere Vereinfachungen erforderlich. Diese Forderung ist ebenfalls neben der Präzisierung von Begriffen und Voraussetzungen im neuen Reisekostenrecht in ihrem Schreiben an das BMF enthalten.

Eine weitere Schwierigkeit in der Praxis: Viele Unternehmen haben auch ein halbes Jahr nach Einführung, beobachtet Schreiber, die neuen Reisekostenregelungen noch nicht implementiert. Oftmals seien die Reisekostenrichtlinien noch nicht angepasst oder veröffentlicht. Dies mache im Laufe des Jahres Neukalkulationen bei Reisekosten erforderlich.

Antworten im Herbst erwartet

Zählt ein halbes belegtes Brötchen als Mahlzeit? Dies ist nur eine von vielen Fragen, mit der sich die IHK Köln in den letzten Monaten beschäftigte. Um den Unternehmen die Anwendung des Reisekostenrechts zu erleichtern, habe unter anderem die IHK-Organisation Lösungsvorschläge erarbeitet. Diese sind ebenfalls Teil des 22-seitigen Dokuments der acht Spitzverbände. „Mit der Finanzverwaltung wird sich weiter beraten. Im Herbst sollen offenen Fragen geklärt sein“, berichtet die IHK Köln. Für den Herbst 2014 sei eine Überarbeitung des BMF-Schreibens angekündigt, so der BDI. Der Verband hofft darauf, dass das BMF darin die Vereinfachungsvorschläge der Wirtschaft aufgreift.

Autor: Sven Lechtleitner, freier Journalist, Köln/Bild: © Richard Villalon - Fotolia.com

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