Skurriler Fall: Das Bad ist Privatvergnügen

Das häusliche Arbeitszimmer ist stets ein Quell richterlicher Auseinandersetzungen. Wer damit Kosten für seinen Badumbau oder eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach steuerlich geltend machen will, sollte einhalten.

Unter einem Arbeitszimmer verstehen die meisten Menschen gemeinhin einen Raum, in dem man seine Geschäfte macht. Ein Ehepaar muss das falsch verstanden haben: Es machte 8,43 Prozent der entstandenen Kosten für den Umbau des Badezimmers und des vorgelagerten Flurs steuerlich geltend – als Betriebsausgaben in Zusammenhang mit seinem häuslichen Arbeitszimmer. Da bekommt das Wort Arbeitssitzung gleich eine ganz neue Bedeutung! Bevor noch mehr Bilder im Kopf entstehen: Vor dem Bundesfinanzhof (BFH) drang es damit nicht durch. Der entschied, dass die Kosten für den Umbau eines privat genutzten Badezimmers nicht zu den abziehbaren (sic) Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer zählen.

So abwegig, wie es sich zunächst anhören mag, war das Ansinnen nicht. Der Ehemann arbeitete als Steuerberater ausschließlich in einem Einfamilienhaus, das er mit seiner Frau bewohnte. Das Arbeitszimmer nahm 8,43 Prozent der gesamten Wohnfläche ein. Im Streitjahr 2011 – die Mühlen der Justiz mahlen langsam – hat das Ehepaar das Badezimmer und den Flur umbauen beziehungsweise behindertengerecht ausbauen lassen. Die Badezimmertür geht von einem Flur ab, auf dem sich insgesamt vier Türen befinden – auch die zum Arbeitszimmer des Klägers. Da das ursprüngliche Türmodell nicht mehr verfügbar war, entschlossen sich die Eheleute, alle vier Türen auszutauschen, um ein einheitliches Erscheinungsbild zu bewahren. Insgesamt schlugen die Arbeiten mit rund 40 000 Euro zu Buche.

Neues Bad steigert Wohnwert

Renovierungs- und Reparaturarbeiten, die für das gesamte Gebäude anfallen, sind zwar nach dem Flächenverhältnis aufzuteilen und damit anteilig zu berücksichtigen, so der BFH. Daher machte der Mann den entsprechenden Anteil der Umbaukosten als Betriebsausgaben geltend. Nachdem ihm das Finanzamt einen Strich durch diese Rechnung machte, gab ihm das FG Münster zunächst recht: Durch die Modernisierung des Badezimmers sei derart in die Gebäudesubstanz eingegriffen worden, dass der Umbau den Wert des gesamten Wohnhauses erhöht habe. Der BFH sah das anders: Ausgaben für einen Raum, der wie das Badezimmer und der Flur ausschließlich oder mehr als nur untergeordnet privaten Wohnzwecken dient, seien nicht anteilig abzugsfähig. Entscheidend sei nicht der Umfang der durchgeführten Arbeiten, sondern worauf sie sich beziehen. Immerhin: Die Kosten für den Austausch der Tür zum Arbeitszimmer hatte bereits das Finanzamt anerkannt. Strittig sind nun noch die Rollläden, über die das FG laut BFH keine hinreichenden Feststellungen getroffen habe, weswegen der Fall nun an dieses zurückverwiesen wurde. An einem lassen die obersten Richter keinen Zweifel: Sollte es dabei um die Rollladenanlage des Wohnzimmers gehen, lägen keine abziehbaren Aufwendungen vor.

Sonnenschein als gewerbliche Einkünfte

Das häusliche Arbeitszimmer ist ein Klassiker in der deutschen Steuerrechtsprechung, bei der immer die Frage im Raum steht, was steuerlich abzugsfähig ist und was nicht. Gleichwohl sind auch der Fantasie der Kläger keine Grenzen gesetzt. So wollte ein Ehepaar – beide berufstätig – Aufwendungen für ein Arbeitszimmer in Höhe von 1700 Euro als Betriebsausgaben geltend machen. Als Begründung wurden gewerbliche Einkünfte aus dem Betrieb einer Fotovoltaikanlage angeführt. Nach Würdigung aller Umstände kam das FG Rheinland-Pfalz zu der Auffassung, dass das Arbeitszimmer „allenfalls wenige Stunden pro Jahr“ für betriebliche Zwecke genutzt worden sei. Daher sei bereits eine geringe private Mitbenutzung schädlich. Die "Würdigung aller Umstände" offenbart die Detektivarbeit, die Finanzbeamte mitunter leisten müssen. Ein Ermittlungsbeamter des Finanzamts kündigte seinen Besuch an, kam – und sah nur zwei Ordner im Regal. Es sei lebensfremd, dass ein vorhandenes Regal im Übrigen ungenutzt bleibe, monierte er. Der leere Spiegelschrank im angeblichen Arbeitszimmer verstärkte seine Einschätzung noch, dieser erscheine zumindest erklärungsbedürftig.

Strafverfahren: Urteil des BFH vom 14. Mai 2019 (Az.: VIII R 16/15), Vorinstanz: Urteil des FG Münster vom 18. März 2015 (Az.: 11 K 829/14), Urteil des FG Rheinland-Pfalz vom 25. Januar 2018 (Az.: 6 K 2234/17).

Autor: David Schahinian / Foto: © makibestphoto - stock.adobe.com
Quelle: Dieser Beitrag ist in der Dezember-Ausgabe 2019 der "Personalwirtschaft" erschienen.