Vergütung von Freelancern: Worauf ist bei Honoraren zu achten?

Das flexible Abfedern von Auftragsspitzen oder das Einholen von externem Know-how sind nur einige von vielen Gründen, warum immer mehr Unternehmen auf Freelancer setzen. Vor der Zusammenarbeit steht jedoch die Frage des Honorars, und die Antwort darauf kann knifflig sein. Nicht zuletzt, weil es große Branchenunterschiede gibt.

Suche nach dem goldenen Mittelweg

Freelancer sind nicht in den Arbeitsalltag ihrer Auftraggeber eingegliedert und können ihre Honorare frei verhandeln. Theoretisch zumindest, denn in der Praxis spielen bei der Preisfindung viele weitere Faktoren eine Rolle. An erster Stelle steht die Kalkulation des Freiberuflers, der in der Regel auf sich selbst gestellt ist und Einnahmen erzielen muss, die sowohl seine Lebenshaltungskosten decken als auch seinen späteren Ruhestand absichern. Ist die Konkurrenz groß oder die eigene Arbeitsqualität mäßig, erliegen viele der Verlockung, dies über geringere Preise zu kompensieren.

Dem Auftraggeber dagegen ist meist daran gelegen, gute Leistung zu einem möglichst günstigen Preis einzukaufen. Je nach Aufgabe oder Unternehmensleitbild legen manche von ihnen mehr Wert auf Qualität, andere auf Kostenminimierung. Geringere Marktpreise sind wiederum ein gutes Argument für Auftraggeber, die Preise derjenigen Freelancer zu drücken, die mit gutem Recht einen Mindestsatz in bestimmter Höhe verlangen. Es gibt Anhaltspunkte für beide Seiten, anhand derer gute Leistungen zu angemessenen Preisen sichergestellt werden kann.

Verordnungen setzen Grenzen

Vergleichsweise leicht fällt das in Berufsfeldern, in denen Gebührenverordnungen gelten. So regelt die Steuerberater-Gebührenverordnung (StBVV) beispielsweise, welche Vergütung sie von ihren Klienten verlangen können. Sie kann sich nach dem Umfang des Auftrags oder der eingesetzten Zeit richten. Auch eine Pauschale kann vereinbart werden. Rechtsanwälte rechnen nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) ab, haben aber mehr Freiheiten bei der Aushandlung des Honorars.

Die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) ist da wiederum strikter und schreibt bestimmte Mindest- und Höchstsätze fest. Bisher zumindest, denn der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat sie unlängst für unzulässig erklärt. Die Bundesrepublik wollte mit der seit 1977 geltenden Ordnung verhindern, dass es aufgrund von Kostendruck zu Pfusch am Bau kommt. Vielmehr sollte der Wettbewerb über die Qualität der Leistungen ausgetragen werden. Die Richter monierten jedoch, dass viele dieser Arbeiten auch von anderen Dienstleistern erbracht werden können, die keine Architekten oder Ingenieure sind und demnach auch nicht nach der HOAI abrechnen. Die Vergütungssätze würden also keineswegs sicherstellen, dass die Qualität gewährleistet ist.

Erst informieren, dann verhandeln

In anderen Berufsfeldern, insbesondere künstlerischen, ist das Honorar frei verhandelbar. Auftraggeber sollten jedoch berücksichtigen, dass darin weder Steuern noch Sozialabgaben enthalten sind. Seriös wirtschaftende Freelancer rechnen dies in ihre Preise ein. Dennoch ist das Vorurteil insbesondere unter Festangestellten weit verbreitet, dass sie teils sehr hohe Stundenlöhne erhalten. Das Bundessozialgericht (BSG) hat 2017 in einem Urteil aber sogar herausgestellt, dass es ein gewichtiges Indiz für eine selbstständige Tätigkeit sein kann, wenn das vereinbarte Honorar deutlich über dem Arbeitsentgelt eines vergleichbar eingesetzten sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten liegt.

Standard- oder Mindesthonorare gibt es in diesen Bereichen meistens nicht, Angebot und Nachfrage regeln den Markt. So sind verfügbare IT-Freelancer rar, da sie von einer Vielzahl an Unternehmen händeringend gesucht werden. Sie können höhere Honorare verlangen als etwa freie Schauspieler, unter denen die Arbeitslosenquote vergleichsweise hoch ist.

Eine Anlaufstelle für die Einschätzung einer angemessenen Vergütung sind berufsständische Vereinigungen. Sie veröffentlichen oftmals Empfehlungen und aktuelle Marktpreise oder stellen diese auf Anfrage zur Verfügung. Freie Journalisten und ihre Auftraggeber werden beispielsweise beim Deutschen Journalisten-Verband (DJV) oder dem Deutschen Fachjournalisten-Verband (DFJV) fündig. Auch der Bundesverband freiberuflicher Kulturwissenschaftler (BfK) hat Honorarempfehlungen veröffentlicht.

Eine weitere Möglichkeit der Orientierung bieten spezialisierte Dienste wie die Honorarübersicht von Absolventa oder der Stundensatzkalkulator von Gulp. Je nach Anbieter sollte zunächst auf die Datenbasis geschaut werden, da viele Portale wie etwa gehalt.de auch oder ausschließlich Festanstellungen in den Mittelpunkt stellen und entsprechende Daten aus Stellenanzeigen oder Mitarbeiterangaben beziehen. Die Ergebnisse sind dann zwar nur bedingt auf das Freelancer-Honorar übertragbar, bieten aber einen ersten Überblick über die aktuelle Markt- und Vergütungslage in dem jeweiligen Bereich.

Darüber hinaus hilft ein Blick in aktuelle Studien. Sie werden regelmäßig sowohl von Freelancer-Portalen oder -Vereinigungen als auch von neutralen Dritten veröffentlicht. So gibt eine Auswertung von freelance.de im Fachmagazin Werben und Verkaufen beispielsweise Aufschluss über aktuelle Honorare im Berufsfeld Marketing und Kommunikation. Mediendienstleister IDG hat IT-Freelancer unter die Lupe genommen.

Blick über den Tellerrand

Eines sollten Auftraggeber und auch Freelancer bei den Honorarverhandlungen nicht vergessen: Geld allein ist nicht alles, wenngleich eine faire Vergütung Grundlage jeder Geschäftsbeziehung zwischen beiden sein sollte. Eine vertrauens- und respektvolle Zusammenarbeit ist aber mindestens ebenso wichtig. Sie steigert nicht nur die Qualität der Ergebnisse, sondern erhöht auch die Wahrscheinlichkeit, bei Folgeprojekten wieder zu kooperieren – zum Vorteil beider Seiten.

Autorin: David Schahinian / Foto: © phat1978 - stock.adobe.com