Wie sich Geldmarktpolitik auf die betriebliche Altersversorgung auswirkt

Die Europäische Zentralbank (EZB) möchte bis Ende September 2016 monatlich für 60 Milliarden Euro Staatsanleihen und Wertpapiere aufkaufen. Doch jeder Eingriff von außen auf den Kapitalmarkt bringt vor allem eines mit sich: Auswirkungen auf Anlageergebnisse. Was dies für die betriebliche Altersversorgung (bAV) und somit auch für Personalabteilungen bedeutet, erfahren Sie hier.

Zwei Figuren sitzen auf EuromünzenWeit über einer Billionen Euro und somit mehr als das Vierfache des Haushaltes der Bundesrepublik Deutschland plant die EZB auszugeben. Mit dieser Maßnahme möchte sie unter anderem die Kreditvergabe durch die Banken anregen und somit die Zinsen senken. Die Annahme der EZB: Zukünftig soll es einfacher sein, Kredite zu noch niedrigeren Zinsen zu bekommen. Dadurch, dass das Geld aber ausgegeben wird, steigt z.B. die Nachfrage nach Konsumgütern. Das wiederum bedeutet einen Anstieg der Preise und somit einen Anstieg der Inflation. Das Resultat: Die Kaufkraft jetzt und im Alter sinkt.

Geldmarktpolitik und die betriebliche Altersversorgung

Die Versorgungsträger, in der Regel Pensionskassen und Lebensversicherungsunternehmen, legen die Beiträge ihrer Versicherten am Kapitalmarkt an. Sie sagen den Versicherten einen Zins zu, mit dem sich die Sparbeiträge garantiert verzinsen. Somit bekommt der Versicherte neben der Risikotragung durch den Versorgungsträger noch eine Verzinsung oben drauf. Die Versicherten sind hier die Arbeitnehmer. Sinken nun die Zinsen am Kapitalmarkt, so wird es für die Versorgungsträger schwieriger, hohe Verzinsungen zu erwirtschaften. Mittlerweile dauert diese Niedrigzinsphase schon einige Jahre an. Aus diesem Grund reduzierte sich zum 01.01.2015 auch der Höchstzinssatz auf 1,25 Prozent. Dieser Zinssatz entspricht 60 Prozent von 10-jährigen europäischer AAA-gerateter Staatsanleihen. Die Grundlage für die kürzliche Absenkung: das Lebensversicherungsreformgesetzes vom 4. Juni 2014. Über die Auswirkungen auf die betriebliche Altersversorgung berichtete Personalpraxis24.de vor kurzem.

Höchstverrechnungszins im Zeitverlauf

Zeitraum Höchstrechnungszins 
01/1942 - 06/1986 3,00%
07/1986 - 06/1994 3,50%
07/1994 - 06/2000 4,00%
07/2000 - 12/2003 3,25%
01/2004 - 12/2006 2,75%
01/2007 - 12/2011 2,25%
01/2012 - 12/2014 1,75%
01/2015 1,25%

Der Höchstrechnungszins hat sich im Laufe der Zeit häufiger verändert. Die Folge: Die jeweiligen aufgeschlossenen Versicherungsverträge der Versicherten haben einen anderen Höchstrechnungszins, sodass  bei jedem Versorgungsträger ein individueller durchschnittlicher Rechnungszins entstand bzw. entsteht. Diesen Zins müssen die Versorgungsträger erwirtschaften. Je niedriger er ist, desto leichter ist es für den Versorgungsträger diesen am Kapitalmarkt zu erzielen. Liegt die erwirtschafte Verzinsung über dem durchschnittlichen Zinssatz der Gesellschaft, entstehen Überschüsse, die den versicherten Arbeitnehmern gutgeschrieben werden. Der Zins ist zwar nicht die einzige Überschussart, aber die bedeutendste. Neben dem Zinsüberschuss gibt es noch Überschüsse aus Risiko- und Kostengewinnen.

Analog zum Lebensversicherungsreformgesetz – für bestehende Versicherungsverträge ändert sich erstmals nichts. Auch für neue Verträge ändert sich nichts. Aber: Für die Versorgungsträger wird es nicht einfacher, eine Rendite am Kapitalmarkt zu erzielen. Als Konsequenz sinkt die Überschussbeteiligungen der versicherten Arbeitnehmer unabhängig vom Zeitpunkt des Vertragsabschlusses.

Betriebliche Altersversorgung - ja oder nein?

Der Abschluss eines Vertrages kann sich dennoch lohnen. Es bedarf aber einer kritischen Auswahl des Versorgungsträgers. Für Mitarbeiter in der Personalabteilung ist es jedoch zusätzlich sehr wichtig, sich mit diesen Themen auseinander zusetzten. Hintergrund: Mittlerweile sind viele Kollegen durch die tägliche Berichtserstattungen verunsichert. Überstürzte Beitragsfreistellen haben gravierende Auswirkungen auf den Versicherungsschutz. Und: Insbesondere neue Kollegen fragen häufig, ob sich eine betriebliche Altersversorgung lohnt, um für das Alter vorzusorgen.

Auf den ersten Blick erscheinen die Rahmenbedingungen am Kapitalmarkt und auch der Zinssatz eher uninteressant. Aber aufgrund des kollektiven Sparens, sowie des Einschlusses von vorzeitigen Risiken wie Tod oder Erwerbsminderung lohnt es sich, eine betriebliche Altersversorgung abzuschließen. Dies gilt auch bei einem Rechnungszins von 1,25 Prozent und selbst dann, wenn die Überschüsse zukünftig sinken. Beim kollektiven Sparen zahlen die Versicherten, im Gegensatz zum individuellen Sparen, immer nur einen Durchschnittsbeitrag. Der Vorteil hieran: Die Rente wird auch dann noch gezahlt, wenn das individuelle Kapital schon längst aufgebraucht ist. Der Arbeitnehmer überträgt somit sein Langlebigkeitsrisiko auf einen Versorgungsträger.

Autor: Michael Oliver Skudlarek / Bild: © blende40 - Fotolia.com