Work-Life-Balance – Was für Arbeitgeber relevant ist

Work-Life-Balance ist heute kein leerer Begriff mehr. Das, was dahinter steht, gewinnt zunehmend an Bedeutung. Arbeitnehmern wird immer bewusster, dass die Balance zwischen Job und Privatleben wichtig ist. Doch auch Arbeitgeber sollten diesen Faktor nicht unterschätzen. Unternehmen können die Work-Life-Balance nicht getrost ihren Angestellten überlassen. Denn sie entwickelt sich immer stärker auch zu einem wirtschaftlichen Faktor.

Warum ist das Gleichgewicht so wichtig?
Die eigene Work-Life-Balance beeinflusst ganz unmittelbar die Arbeitsleistung. So belegt beispielsweise der Work-Life-Index von Regus, dass eine direkte Verbindung zwischen der Zufriedenheit mit der eigenen Work-Life-Balance und der Produktivität besteht. Für die Studie wurden mehr als 16.000 Beschäftigte in 80 Ländern zu ihrer Zufriedenheit mit dem Gleichgewicht zwischen Berufs- und Privatleben befragt. Ergebnis: Die Zufriedenheit der deutschen ist seit 2010 um 61 Prozent gestiegen. Gleichzeitig gaben 77 Prozent der Befragten an, ihre Produktivität sei im gleichen Zeitraum ebenfalls gestiegen.

Gesteigerte Produktivität dürfte für Unternehmen sicherlich Motivation genug sein, die Work-Life-Balance ihrer Mitarbeiter aktiv zu unterstützen. Die Vorbeugung von Burnout-Erkrankungen ist dabei sicherlich ein weiterer, positiver Nebeneffekt.

Dies erkennen auch immer mehr Personalverantwortliche in Unternehmen: "Unsere Mitarbeiter sind unser wichtigstes Kapital", sagte beispielsweise Jörg Staff, Personalleiter bei SAP, dem Spiegel gegenüber. SAP arbeitet schon lange mit dem Konzept der Vertrauensarbeitszeit, Sabbaticals sind keine Ausnahme – und immer mehr Unternehmen ziehen jetzt nach.

Als Arbeitgeber im "War for Talents" punkten
Ein zweiter Aspekt, der nicht weniger relevant ist, ist der Kampf um Fachkräfte – der so genannte "War for Talents". Besonders die Ingenieurbranche spürt den Fachkräftemangel bereits seit längerem. Aber auch andere Branchen wie die Consulting-, IT- oder Kreativbranche bemerken deutlich die Auswirkungen des Fachkräftemangels.

Das Problem in ein paar Zahlen: Sucht eine Kreativagentur einen Programmierer oder Projektleiter, beträgt die Laufzeit der Stellenanzeigen besorgniserregende 97 beziehungsweise 91 Tage. Das besagt eine Studie des Magazins iBusiness. Der Branchenverband der Ingenieurbranche VDI spricht von einer Ingenieurlücke und rund 80.000 offenen Stellen.

Durch flexible Arbeitsmodelle gewinnt ein Arbeitgeber an Attraktivität und kann so bei begehrten Fachkräften punkten. Für Bewerber spielen diese Faktoren eine zunehmend wichtigere Rolle – schließlich entscheiden sich nicht nur Unternehmen für ihre Mitarbeiter, sondern auch die (gut qualifizierten) Professionals für ihre Arbeitgeber, wenn sie die "Qual der Wahl" haben.

Eine ausgeglichene Work-Life-Balance der Mitarbeiter ist für Unternehmen ein großes wirtschaftliches Plus. Produktivitätssteigerung und verbesserte Chancen bei der Mitarbeitergewinnung sind nur einige positive Effekte. Personalverantwortliche sollten daher zunehmend den Blick dafür schärfen, wie sie eine Work-Life-Balance unterstützen und fördern können.

Was können Arbeitgeber tun?
Folgende Faktoren können unter anderem die Work-Life-Balance Ihrer Mitarbeiter verbessern:

1. Flexible Arbeitszeiten: Ermöglichen Sie Ihren Mitarbeitern Freiräume bei der Gestaltung ihrer Arbeitszeit. Je flexibler die Arbeitszeiten, desto besser können Mitarbeiter Job und Privatleben unter einen Hut bringen.

2. Homeoffice: Für eine Vielzahl an Tätigkeiten muss der Mitarbeiter nicht im Unternehmen präsent sein. Prüfen Sie, an welchen Stellen eine Homeoffice Sinn machen kann. Manche Mitarbeiter wünschen sich eine Tätigkeit, der sie von zu Hause aus nachgehen können.

3. Sabbaticals: Unter einem Sabbatjahr werden verschiedene Dinge verstanden. Oftmals beschreibt der Begriff die klassische Auszeit für ein Jahr. Aber auch die Umstellung auf Teilzeitarbeit gehört dazu. Sofern es der Arbeitsplatz erlaubt, ermöglichen Sie Mitarbeitern eine Auszeit oder die befristete Reduzierung ihrer Arbeitszeit.

4. Zeit für Fortbildung: Die Fortbildung an sich kann schon einen Anreiz für Mitarbeiter darstellen. Oftmals fehlen aber die Freiräume, an Weiterbildungsmaßnahmen teilzunehmen. Vereinbaren Sie mit Ihren Mitarbeitern Zeiten für Fortbildungen, die sie im Laufe eines Jahres in Anspruch nehmen dürfen.

5. Kinderbetreuung: Mitarbeiter mit Kindern sind oftmals bereit mehr zu arbeiten, sofern sie ihre Kleinen unterbringen könnten. Eine über das Unternehmen organisierte Kinderbetreuung wäre daher für viele Mitarbeiter die optimale Lösung: Sie können damit Beruf und Privatleben noch besser vereinbaren.

Autorin: Maike Feddersen-Mir, projektwerk.com / Foto: © PhotoSG - Fotolia.com



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