Young Professionals gesucht, Alter egal!

Sie sind jung, dynamisch und offen für Neues: Berufseinsteiger. Aber dürfen Unternehmen gezielt nach ihnen suchen? Eine Stellenanzeige für "Young Professionals" könnte schnell ältere Bewerber diskriminieren.

Zeitungsauschnitt mit dem Titel StellenmarktStellenausschreibungen gehören in Personalabteilungen zum Alltag: Doch die richtige Formulierung zu finden, wird für Arbeitgeber zunehmend schwieriger. Gesetzlichen Gleichbehandlungsgebote und aktuelle Rechtsprechungen machen jede Stellenanzeige zur Herausforderung.

Berufsanfänger: Indiz für eine Benachteiligung
Ein öffentlicher Arbeitgeber sucht für sein Traineeprogramm "Hochschulabsolventen/Young Professionells". Seine Stellenausschreibung richtet das Universitäts-Krankenhaus ausdrücklich an "Berufsanfänger". Neben erworbenen Fähigkeiten stehen vor allem die persönlichen Eigenschaften im Mittelpunkt, wie es in dem Inserat heißt. Einen 36-jährigen Rechtsanwalt mit Berufserfahrung lehnt das Krankenhaus ab. Der Bewerber sieht darin eine Benachteiligung wegen seines Alters und klagt. Der Arbeitgeber weist jede Diskriminierung von sich: Die Auswahl habe er nach den Examensnoten vorgenommen und nur diejenigen Bewerber in Betracht gezogen, die von gut bis sehr gut abgeschnitten haben.

Die Vorinstanzen haben die Klage des Bewerbers abgewiesen. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) gibt dem Kläger aber teilweise Recht (Urteil vom 24. Januar 2013 - 8 AZR 429/11). Die Richter sehen in einer Stellenausschreibung, die sich an Hochschulabsolventen/Young Professionals und Berufsanfänger richtet, ein Indiz für eine Benachteiligung wegen des Alters. Der Arbeitgeber hat aber noch die Möglichkeit, das Indiz für eine Altersdiskriminierung zu widerlegen. Voraussetzung: Er hat tatsächlich nur die Bewerber mit den besten Examensnoten berücksichtigt. Als öffentlicher Arbeitgeber muss er nämlich Stellen nach Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung der Bewerber besetzen (Art. 33 Abs. 2 GG). Der abgelehnte Bewerber hat eine solche Auswahl bestritten. Die Klage wurde daher zur weiteren Sachaufklärung an das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg zurückverwiesen.

"Junges Team" - ein Marketingaspekt?
Die Formulierung in einer Stellenanzeige "wir bieten einen zukunftssicheren Arbeitsplatz in einem jungen motivierten Team" stellt allerdings keine Altersdiskriminierung dar, wie das Landesarbeitsgericht Nürnberg entschieden hat (Urteil vom 16.05.2012 - 2 Sa 574/11). Ein Autohaus verwendet diesen Satz in einer Stellenausschreibung. Das Unternehmen sucht einen Finanzbuchhalter bzw. eine Finanzbuchhalterin. Ein 1952 geborener Diplom Kaufmann bewirbt sich auf die Stelle. Der Bewerber ist zwar Finanzbuchhalter mit Berufserfahrung, aber seit 2002 arbeitslos. Er übte zum Zeitpunkt der Bewerbung lediglich eine geringfügige Beschäftigung aus. Das Autohaus teilt ihm schriftlich mit, dass es ihm keinen Arbeitsplatz entsprechend seiner Fähigkeiten anbieten könne.

Der Bewerber verlangt daraufhin eine Entschädigung in Höhe von drei Monatsgehältern (§ 15 Abs. 2 AGG). Seine Begründung: Die Stellenausschreibung biete ausdrücklich einen Arbeitsplatz in einem "jungen Team" an und enthalte damit eine Selbstdarstellung, die ältere Bewerber wie ihn faktisch ausschließe. Das Autohaus wies die Vorwürfe allerdings von sich: Die Formulierung "junges Team" habe lediglich einen "Marketingaspekt" dargestellt. Im Übrigen liege der Altersdurchschnitt im Unternehmen ohne Auszubildende bei 38 Jahren und in der Buchhaltung bei 47 Jahren. Die Buchhaltung sei daher kein "junges" Team. Der Bewerber hätte aufgrund seines Alters sogar sehr gut in dieses Team gepasst.

Auf Nummer sicher gehen
Die Angst vor Klagen nimmt zwar zu. Doch Arbeitgeber können Altersdiskriminierung in Stellenanzeigen vermeiden. Unternehmen müssen ihre Stellenausschreibungen so neutral wie möglich formulieren, empfiehlt die Jobbörse Stepstone im Zusammenhang mit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz. Auch Jobscout24 rät in Praxistipps dazu, auf "jung und dynamisch" in Stellenanzeigen komplett zu verzichten. Arbeitgeber sollten demnach auch Floskeln mit Bezug zum Alter gänzlich vermeiden.

Autor: Sven Lechtleitner, Februar 2013 / Foto: © eccolo - Fotolia