Wer wiederholt zu spät zur Arbeit kommt, muss mit seiner Kündigung rechnen. Eine Abmahnung ist nicht mehr zwingend nötig, wenn zuvor bereits mehrmals Arbeitspflichten verletzt wurden. Das entschied das Landesarbeitsgericht (LAG) Schleswig-Holstein im Falle einer Frau, die an drei von vier aufeinanderfolgenden Arbeitstagen unpünktlich war.

Die Serviceangestellte arbeitete montags, mittwochs und freitags jeweils von 9 Uhr an acht Stunden in der Poststelle eines Sozialgerichts. Zwischen Juni 2018 und Februar 2019 verließ sie das Gerichtsgebäude öfters zum Rauchen, ohne sich auszustempeln. Dafür wurde sie wegen Arbeitszeitbetrugs abgemahnt. Ende Juli 2019 folgte eine weitere Abmahnung, in der unter anderem ihr verspätetes Erscheinen zu einer dienstlichen Fortbildung gerügt wurde.

An einem Montag im Oktober 2019 erschien die Frau zunächst nicht zur Arbeit. Um 10.30 Uhr teilte sie dem Geschäftsleiter telefonisch mit, dass sie verschlafen habe. Vier Tage später hatte sie nach eigenen Angaben wieder verschlafen. Dieses Mal rief sie um 11.30 Uhr an und arbeitete dann von 14.30 bis 18.30 Uhr. Am darauffolgenden Montag erschien sie um 9.07 Uhr zur Arbeit. Das Land kündigte ihr daraufhin fristlos und hilfsweise fristgemäß.

Die Frau reichte Kündigungsschutzklage ein und trug vor, dass sich ihre hohe Arbeitsbelastung für sie auch als psychische Belastung ausgewirkt habe. In der Folge sei sie nicht in der Lage gewesen, private Schicksalsschläge abzufangen. Sie habe daher unter Schlaflosigkeit gelitten, was zu den Verspätungen geführt habe.

Die Vorinstanz hatte zwar die fristlose Kündigung als unwirksam erklärt, die Klage im Übrigen aber abgewiesen. Das LAG schloss sich dem an: Die ordentliche Kündigung sei aufgrund der wiederholten Verspätungen der Klägerin gerechtfertigt. Der Arbeitsbeginn um 9 Uhr sei nicht besonders früh und jedem Beschäftigten ohne Weiteres möglich. Der Schlafmangel sei den privaten Lebensumständen der Klägerin zuzurechnen. Auch einer Abmahnung habe es in diesem Fall nicht mehr bedurft. Das Zuspätkommen an drei von vier aufeinander folgenden Arbeitstagen lasse den Rückschluss auf ein „hartnäckiges und uneinsichtiges Fehlverhalten“ zu.

Urteil des LAG Schleswig-Holstein vom 31.08.2021 (Az.: 1 Sa 70 öD/21)

Vorinstanz: Urteil des ArbG Flensburg vom 27.01.2021 (Az.: 1 Ca 1135/19)

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