„Not in my backyard“ bezeichnet die Unterstützung für Projekte, solange sie einen nicht selbst betreffen. Ähnlich scheint es um das Verhältnis vieler Beschäftigter zum Klimaschutz zu stehen. Eine Mehrheit unterstützt die Forderungen nach mehr Engagement der Unternehmen in diesem Bereich. Je mehr Opfer sie aber selbst dafür bringen müssen, desto größer wird die Zurückhaltung.

Das geht aus einer repräsentativen Befragung der Bertelsmann Stiftung von 5.000 Arbeitnehmenden der Privatwirtschaft hervor. 55 Prozent von ihnen gaben an, dass sie Forderungen an die Unternehmen nach mehr Einsatz für Nachhaltigkeit und Klimaschutz positiv gegenüberstehen. Immerhin jeder vierte Befragte hielt sie dagegen für falsch. Dabei spielte auch der Wohnsitz eine Rolle: Während die Zustimmung in Hamburg mit 63,7 Prozent am höchsten ausfiel, lag sie in Thüringen bei lediglich 45,4 Prozent.

Je direkter die Menschen selbst von dem Anliegen betroffen waren, desto eher bröckelte jedoch die Zustimmung. So hießen nur noch 42 Prozent Maßnahmen für mehr Klimaschutz und Nachhaltigkeit gut, wenn sie das eigene Unternehmen betrafen. Ohnehin gingen 70,9 Prozent der Befragten davon aus, dass sich Klimaschutz und Nachhaltigkeit in den nächsten zwölf Monaten nicht direkt auf ihren Arbeitsplatz auswirken werden.

Und wenn das der Fall wäre? Dann wären 51 Prozent nicht bereit, die Kosten dafür mitzutragen. Dagegen erklärten sich 32,8 Prozent dazu bereit, um dadurch bei der Realisierung von mehr Nachhaltigkeit im Betrieb zu helfen. Dass das Ganze einen Wettbewerbsvorteil für ihren Arbeitgeber bedeutet, bezweifelten aber 52,7 Prozent der Befragten. Besonders pessimistisch zeigten sich hier Beschäftigte kleinerer Unternehmen mit bis zu 250 Mitarbeitenden.

„Nachhaltigkeit wird immer noch mit ‚teuer‘ verbunden“, kommentiert Jakob Kunzlmann von der Bertelsmann Stiftung die Ergebnisse. So sei nachhaltige Kleidung teurer als konventionell hergestellte, ebenso sei es bei Bioprodukten im Vergleich zu herkömmlichen. „Diese Grundeinstellung könnte sich auch auf die Haltung der Beschäftigten gegenüber Geschäftsmodellen übertragen haben.“

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