Die Gastronomie öffnet wieder, die Kultur erwacht zu neuem Leben – doch die Sorge vor einer Corona-Infektion am Arbeitsplatz bleibt hoch. Geringverdiener sind besonders häufig betroffen, weil sie ein höheres Risiko tragen.

Das geht aus einer Befragung des Portals lohnspiegel.de hervor, an der sich seit April 2020 mehr als 51.000 Beschäftigte beteiligt haben. In der ersten Maihälfte 2021 gaben 32 Prozent der Befragten an, Sorgen vor einer Ansteckung auf dem Weg zur oder auf der Arbeit zu haben. Gegenüber dem April gab es kaum Veränderungen. Während es bei den Geringverdienern 43 Prozent waren, lag die Quote bei Besserverdienenden lediglich bei 23 Prozent.

Dass sich Menschen mit geringerem Einkommen offensichtlich unsicherer fühlen, hat vor allem zwei Gründe, wird berichtet. Zum einen seien die Löhne in vielen Tätigkeiten mit hoher Kontaktfrequenz oft relativ niedrig. Als Beispiele werden Verkaufsberufe und Teile des Bereichs Erziehung und Soziales genannt. Beschäftigte mit akademischer Qualifikation und höheren Löhnen könnten dagegen öfter ins Homeoffice ausweichen.

Zum anderen würden Versäumnisse beim betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutz Beschäftigte mit geringerem Einkommen häufiger treffen – zumindest, wenn man ihrer eigenen Einschätzung Glauben schenkt. 17 Prozent derjenigen, die in der ersten Maihälfte 2021 befragt wurden und einen niedrigen Lohn haben, gaben an, dass ihr Arbeitgeber keine ausreichenden Infektionsschutzmaßnahmen getroffen hat. Bei den Besserverdienenden lag der Anteil bei neun Prozent.

„Angesichts der langen Vorlaufzeit ist das erschreckend“, so Dr. Aline Zucco. Sie ist Expertin für Verteilungsfragen am Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, die das Lohnspiegel-Portal betreut. Hoffnung setzt das Institut, wie so viele andere auch, auf hohe Impfquoten. „Die Impfung bringt dann nach über einem Jahr Pandemie eine echte Entlastung – und zwar auch von den psychischen Belastungen, die mit der permanenten Ansteckungssorge verbunden sind“, so Dr. Elke Ahlers, die am WSI zu Arbeit und Gesundheit forscht.

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