Die Arbeitswelt befindet sich im Wandel. Die Digitalisierung ist dabei ein wesentlicher Treiber. Inwiefern sie sich darauf auswirkt, hat ein Forscherteam untersucht.

Die Digitalisierung prägt den Wandel unserer Arbeitswelt seit vielen Jahren. Die Corona-Krise hat deren Bedeutung noch einmal verstärkt. Während der Krisenzeit haben sich aber auch Defizite und Versäumnisse offenbart. Unter anderem hat es eine Zweiteilung von Belegschaften gegeben: Während Büroangestellte aus dem Homeoffice arbeiteten, mussten Beschäftigte in systemrelevanten Berufen weiter vor Ort ihrer Tätigkeit nachgehen. Daraus ergaben sich auch Herausforderungen in Sachen Zusammenarbeit und Kommunikation. Doch gerade dank digitaler Möglichkeiten konnten viele Unternehmen während der Ausnahmesituation ihren Geschäftsbetrieb so fortführen.

Herausforderung: Gestaltung und Organisation von Arbeit

Welche zentralen Herausforderungen die Digitalisierung die Gestaltung, Organisation und Regulierung von Arbeit darstellt, hat nun ein Forschungsbericht untersucht. In dem Report „Arbeitspolitik im Zeichen der Digitalisierung“ des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen (UDE) fasst das Team um Prof. Dr. Thomas Haipeter, Dr. Fabian Hoose und Dr. Sophie Rosenbohm neueste Ergebnisse zusammen.

Im Vorderdung des Berichts steht die Arbeitspolitik, die auf betrieblicher und überbetrieblicher Ebene stattfindet. Sie ist ein Resultat aus dem Zusammenspiel unterschiedlicher Akteure wie dem Management und Arbeitgeberverbänden sowie Betriebsräten und Gewerkschaften. Die Digitalisierung benennt zunächst nur technologische Entwicklungen. Darunter fallen unter anderem Technologien zu digitaler Vernetzung oder Industrie 4.0. Gleiches gilt auch für den Einsatz von künstlicher Intelligenz oder Technologien zur Auswertung großer Datenmengen, wie es digitale Plattformen für das Recruiting ermöglichen. Wie sich deren Einsatz auf die Arbeit auswirkt, ist laut Report nicht leicht zu überblicken. Der Grund: Unterschiedliche Technologien in Arbeitsprozessen können auf eigene Weise genutzt werden. Außerdem können verschiedene Arten von Arbeit – also Industrie- oder Dienstleistungsarbeit – unterschiedlich stark berührt sein. Weiter gestalten und organisieren Betriebe die Digitalisierung der Arbeit unterschiedlich sowie regulieren sie teils kollektivvertraglich. Demzufolge seien die Auswirkungen der Digitalisierung ebenso ein Ergebnis politischen Handelns.

Digitalisierung: Auswirkung auf die Arbeitswelt

Hinsichtlich der Feststellung, wie sich sich die Digitalisierung auf die Arbeitswelt auswirkt, führt der Report drei Dimensionen an. In der ersten geht es darum, inwiefern der Einsatz digitaler Technologien zu einem Wandel von Arbeit beiträgt. Damit sind zum Beispiel Auswirkungen digitaler Produktionstechnologien auf die Gesundheit der Beschäftigten gemeint. Im Wesentlichen geht es dabei um Chancen und Risiken der Digitalisierung. Die zweite Dimension befasst sich mit grundsätzlicheren Fragen – also wie sich durch digitale Technologien in der Arbeitswelt Qualifikationsanforderungen wandeln. Die dritte Dimension betrifft die arbeitspolitischen Herausforderungen. Es geht darum, welche Auswirkungen sich für die Akteure ergeben. Gemeint sind Handlungsspielräume und -felder.

Im Kern benennt der Report zwei wesentliche Ergebnisse: Der Wandel der Arbeit ist nicht nur eine Folge der Digitalisierung, sondern er ergibt sich aus dem Verhandlungsresultat der Akteure. Zwar ist die Digitalisierung ein wichtiger Entwicklungstrend, doch lange nicht der Einzige. So gibt es auch andere Ursachen, die jedoch durch die Nutzung digitaler Technologien verstärkt oder abgeschwächt werden.

Der IAQ-Report steht hier zum kostenfreien Download zur Verfügung.

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