Nicht die Art der Tätigkeit, sondern die Wohnsituation ist der entscheidende Faktor, ob Menschen erfolgreich im Homeoffice arbeiten können oder nicht. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommt eine Studie der TU Darmstadt.

Insgesamt befragte das Forschungsteam knapp 1.000 Beschäftigte in drei Wellen zwischen Juni und Oktober 2020. Mehr als ein Drittel der Beschäftigten gab an, zu Hause weniger produktiv zu arbeiten als im Büro. Der wichtigste Grund dafür liegt im Arbeitsort, legen die Ergebnisse nahe: „Die Wohnsituation ist aussagekräftiger als die Art des Jobs oder die Zahl der Kinder. Das hatten wir so nicht erwartet“, sagt Professor Andreas Pfnür. Je zufriedener die Befragten mit ihrer Wohnsituation, der Lage und der Ausstattung der Wohnung waren, desto produktiver waren sie im Homeoffice.

Weitere Faktoren, die das Homeoffice begünstigen, sind demnach komplexe und vielseitige Aufgaben sowie eine höhere Autonomie. Zudem arbeiteten ältere, besserverdienende und beruflich erfahrene Beschäftigte erfolgreicher, ebenso Vollzeitkräfte im Vergleich zu Teilzeitkräften. Für Singles beispielsweise ist das Homeoffice dagegen oft eine Herausforderung. Gründe dafür sind Isolation und die berufliche Entwicklung: „Die direkte soziale Interaktion mit Kollegen und Karrierechancen sind im Homeoffice weniger stark ausgeprägt.“

Zwar biete Arbeit von zu Hause zahlreiche Chancen. Ohne einen aktiven Change-Prozess drohten aber gleichfalls große Risiken. Eine Homeoffice-basierte Arbeitswelt könne sogar soziale Verwerfungen nach sich ziehen, wenn die öffentliche Hand und Arbeitgeber nicht gegensteuerten: „Homeoffice bereitet den Weg aller Bürobeschäftigten in eine Zweiklassengesellschaft“, resümiert Pfnür.

Auf der einen Seite stünden Beschäftigte, die umfangreich zu Hause arbeiten könnten, weil sie es sich dort gut gehen lassen könnten oder weil ihre Jobs attraktiv wären. Auf der anderen stünden Personen, die in schlechteren Verhältnissen im Homeoffice wenig erfolgreich wären oder unter den Mehrkosten dieser Arbeit zu leiden hätten. Homeoffice sei damit „auf dem Weg zu einem Statussymbol für die Gewinner der neuen Arbeitswelten“.

Aktuelle Beiträge