In Krisenzeiten sind es oft die Leiharbeitnehmer, denen zuerst gekündigt wird. Obwohl die Zeitarbeitsunternehmen 2020 einen deutlichen Umsatzrückgang verbuchen mussten, blicken sie optimistisch auf das laufende Jahr.

Das zeigt eine Blitzumfrage des Analyse- und Beratungsunternehmens Lünendonk, an der 73 Zeitarbeitsunternehmen teilnahmen. Sie mussten 2020 im Durchschnitt einen Umsatzrückgang von 13,6 Prozent verkraften. Für 2021 prognostizieren sie ein Marktwachstum von 5,7 Prozent. Ein positives Zeichen, doch könnten die Verluste aus 2020 damit kurzfristig nicht kompensiert werden.

Die genauere Betrachtung der Ergebnisse offenbart große Unterschiede zwischen einzelnen Anbietern. So bewegte sich der Umsatz bei den Befragten zwischen minus 65 und plus 76 Prozent. Das sei auf unterschiedliche Kundenstrukturen und Leistungsangebote zurückzuführen, sagt Lünendonk-Partner Thomas Ball: „Große Unternehmen zeigten sich widerstandsfähiger als mittelgroße und kleinere Anbieter, da sie in der Regel über eine breite Kundenstruktur verfügen.“

Herausforderungen wie eine stärkere Regulierung des Marktes gab es jedoch auch schon vor dem Ausbruch der Pandemie. Insofern verwundert es nicht, dass eine Mehrheit der Teilnehmer derzeit die eigene Geschäftsstrategie überdenkt. Zwar werde das Kerngeschäft der Arbeitnehmerüberlassung auch weiterhin die wichtigste Umsatzquelle bleiben, heißt es. Größere Unternehmen setzen aber parallel zunehmend auf die Digitalisierung, während kleinere sich eher auf ein angepasstes Leistungsangebot und die Erschließung neuer Kundengruppen fokussieren.

Von der Bundestagswahl im September 2021 versprechen sich die wenigsten Marktteilnehmer positive Impulse, so ein weiteres Ergebnis der Umfrage. Rund die Hälfte erwartet keine Veränderungen, während ein Drittel mit einer weiteren Regulierung der Zeitarbeit rechnet. Lediglich 14 Prozent glauben an eine Liberalisierung. Darin spiegelt sich auch die Erwartung an eine künftige Bundesregierung wider: Eine Mehrheit der befragten Zeitarbeitsunternehmen erwartet eine Regierungsbeteiligung der Grünen, der Linken und der SPD.

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