Arbeitgeber müssen bei der Ermittlung des Umfangs der lohnsteuerpflichtigen Zuwendungen einer Betriebsveranstaltung alle damit in Zusammenhang stehenden Aufwendungen ansetzen – ob sie beim Arbeitnehmer einen Vorteil begründen oder nicht. Die Gesamtkosten sind zu gleichen Teilen auf die tatsächlich anwesenden Teilnehmer aufzuteilen, entschied der Bundesfinanzhof (BFH).

Grundsätzlich gilt, dass die Zuwendungen bis zu einem Betrag von 110 Euro je Betriebsveranstaltung und teilnehmendem Arbeitnehmer für diesen steuer- und beitragsfrei sind. Im vorliegenden Fall plante der Arbeitgeber Ende 2016 einen gemeinsamen Kochkurs als Weihnachtsfeier, zu der alle Betriebsangehörigen eingeladen waren. 27 sagten zu, aber aufgrund zweier kurzfristiger Absagen nahmen nur 25 teil. An den Veranstaltungskosten änderte sich dadurch aber nichts.

Gegenüber dem Finanzamt teilte das Unternehmen mit, dass es die Weihnachtsfeier mit einem geringeren Betrag versteuert habe. Die errechneten Kosten für die beiden nicht teilnehmenden Arbeitnehmer habe es nicht auf die anderen 25 aufgeteilt, da diesen insoweit keine Zuwendung zugeflossen sei. Ansonsten hätte sich ihr zu versteuernder Betrag erhöht. Das Finanzamt stellte ihm daraufhin einen Lohnsteuer-Nachforderungsbescheid aus, weil es die Auffassung vertrat, dass alle Aufwendungen auf die 25 anwesenden Teilnehmer aufzuteilen sind.

Das Finanzgericht (FG) Köln gab dem Arbeitgeber recht: Die Absagen der Kollegen dürften steuerrechtlich nicht zulasten der anwesenden Kollegen gehen. Der BFH hob das Urteil nun auf: Das FG habe zu Unrecht auf die Anzahl der angemeldeten Arbeitnehmer und nicht auf die an der Betriebsveranstaltung Teilnehmenden abgestellt.

In die Bemessungsgrundlage seien zunächst alle Aufwendungen des Arbeitgebers einschließlich Umsatzsteuer einzubeziehen, ob sie einzelnen Arbeitnehmern individuell zurechenbar sind oder nicht. Es kommt somit auch nicht darauf an, ob sie zu einem Vorteil für den Zuwendungsempfänger führen oder nicht. Dass bei der Bemessung des einzelnen Arbeitnehmern zufließenden Vorteils auf die Zahl der angemeldeten Arbeitnehmer abzustellen ist, sei im Gesetz nicht vorgesehen: Eine andere Zurechnungsgröße als die der teilnehmenden Arbeitnehmer und deren Begleitpersonen habe der Gesetzgeber nicht geschaffen.

Urteil des BFH vom 29.04.2021 (Az.: VI R 31/18)

Vorinstanz: Urteil des FG Köln vom 27.06.2018 (Az.: 3 K 870/17)

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