Fast jeder zweite Arbeitnehmer in Deutschland hatte im Job noch keine Berührungspunkte mit Menschen mit Behinderung. Auch gibt jeder Dritte an, dass sein eigener Arbeitsplatz nicht barrierefrei ist und damit auch kaum für Kollegen mit Handicap geeignet wäre.

Eine aktuelle Untersuchung hat nachgefragt, wie es hierzulande um die Barrierefreiheit am Arbeitsplatz steht und ist zu dem Schluss gekommen, dass es bei der Inklusion von Menschen mit Handicap noch Nachholbedarf gibt. An der repräsentativen Umfrage des Online-Karriereportals Monster in Zusammenarbeit mit Yougov Deutschland und Raul Krauthausen, Aktivist und Mitgründer des Sozialhelden e. V., nahmen zwischen dem 23. und 25. Juni dieses Jahres 2.084 Deutsche ab 18 Jahren teil.

Jeder Zweite hat im Job Kontakt mit Menschen mit Behinderung

Etwas weniger als die Hälfte der Deutschen (46 Prozent) hatte beruflich schon Kontakt mit Menschen mit Behinderung: 37 Prozent haben schon einmal direkt mit solchen Kollegen zusammengearbeitet und neun Prozent hatten schon einmal einen Kollegen mit Behinderung in der Abteilung. Eine weitere knappe Hälfte der Beschäftigten (47 Prozent) ist im Job noch nie auf Menschen mit Handicap getroffen. Die restlichen sieben Prozent konnten dazu keine Angaben machen. Von den jungen Arbeitnehmern zwischen 18 und 24 Jahren hat bislang erst jeder fünfte mit Kollegen mit Behinderung zusammengearbeitet, was sich damit erklärt, dass viele von ihnen erst seit kurzem im Arbeitsleben stehen und elf 11 Prozent noch gar nicht berufstätig waren. Im Laufe des Berufslebens treffen mehr Beschäftigte auf Menschen mit Handicap: In der Altersgruppe ab 55 hatten 44 Prozent im Job Kontakt mit einem oder mehreren gehandicapten Kollegen.

Barrierefreiheit am Arbeitsplatz bedeutet nicht nur rollstuhlgerecht

Von den Befragten gibt etwa ein Drittel (34 Prozent) an, der eigene Arbeitsplatz sei weder räumlich noch digital barrierefrei – damit wäre der Job für einen Kollegen mit Behinderung derzeit nur schwer oder gar nicht zu erledigen. Allerdings scheint sich die Ausstattung der Arbeitsplätze inzwischen zu ändern: Von den Befragten zwischen 18 und 24 Jahren sagen 14 Prozent mehr als bei den über 54-Jährigen, ihr Arbeitsplatz sei vollständig barrierefrei. Was die räumliche Barrierefreiheit betrifft, geben von den 18- bis 34-Jährigen 17 Prozent an, sie sei an ihrem Arbeitsplatz gegeben, während dies von den Berufstätigen über 54 nur sechs Prozent bestätigen können.

Räumliche Anforderungen öfter erfüllt als digitale

Aktuell ist in deutschen Unternehmen lediglich circa jeder vierte Arbeitsplatz (26 Prozent) komplett barrierefrei. Etwa jeder fünfte (22 Prozent) ist teilweise barrierefrei, wobei 13 Prozent räumlich und neun Prozent digital barrierefrei sind, das heißt, sämtliche Mitarbeiter können das Internet und alle digitalen Anwendungen benutzen, unabhängig von Behinderungen oder Beeinträchtigungen. Die Initiatoren der Befragung vermuten angesichts der Ergebnisse, dass Unternehmen unter Barrierefreiheit vor allem die räumlichen Voraussetzungen – etwa rollstuhlgerechte Arbeitsplätze – verstehen. „Die Zahlen zeigen einmal mehr, wie viel es in Sachen Inklusion in der Arbeitswelt noch zu tun gibt. Wir erleben tagtäglich noch große Vorurteile und Berührungsängste von Nicht-behinderten Menschen“, sagt Raul Krauthausen.

Schon der Recruitingprozess sollte barrierefrei gestaltet werden

Schon mit kleinen Verbesserungen könnten diese Vorurteile und Ängste abgebaut werden, so Krauthausen. So sei es mit wenig Aufwand verbunden, schon den Bewerbungsprozess barrierefrei zu gestalten, indem Unternehmen beispielsweise Kandidaten mit Hörbeeinträchtigung eine Alternative zu Telefoninterviews anbieten. Nelly Rey, Senior Director Human Resources bei Monster, plädiert außerdem dafür, immer die Betroffenen einzubeziehen, wenn es um die Entwicklung und Umsetzung neuer Maßnahmen und Prozesse für mehr Teilhabe, Inklusion und Gleichstellung geht. Nur dann sei Inklusion mehr als nur ein Schlagwort.

Quelle: Personalwirtschaft.de

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