„Abgewägt, abgestimmt und abgesichert“ – mit dieser noch oft unausgesprochen geltenden 3A-Regel kommen Unternehmen heute nicht mehr weit, glauben zwei Wissenschaftler der FH Münster. Sie plädieren stattdessen für eine neue Fehlerkultur, die ein Scheitern als organisationales Lernen versteht.

Die zentralen Erfolgsfaktoren in einer digitalisierten Welt seien Schnelligkeit, Innovationsfähigkeit und Bedürfnisorientierung, schreiben Professor Dr. Carsten Feldmann und Professor Dr. Ralf Ziegenbein in einem Gastbeitrag für den Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ). Mit klassisch hierarchisch und funktional orientierten betrieblichen Strukturen könne man auf solche Anforderungen nicht mehr angemessen reagieren. Vielmehr müsse den Mitarbeitenden ein „dauerhafter und fühlbarer Freiraum“ gegeben werden, damit sie ihre Innovationskraft ausleben können.

Babys beispielsweise würden sich ihre Welt im „Trial and Error“-Verfahren erschließen und so lange ausprobieren, bis sich Erfolg einstellt. Im Arbeitsalltag dagegen werde ein Misserfolg meist als Niederlage verstanden. Fehler würden geahndet oder belächelt. Die Konsequenz daraus sei der Verzicht auf kreatives Handeln und Denken sowie Innovation. Das aber könnten sich Unternehmen heute nicht mehr leisten.

„Wir brauchen eine neue Fehlerkultur“, betonen die Forscher. Ein Scheitern müsse als organisationales Lernen verstanden werden. Es sollte ergänzt werden um die Fähigkeit zu einem schnellen Richtungswechsel, der aus dem Gelernten unmittelbar etwas Neues und dann aber Erfolgreiches macht. Vorbilder dafür finde man unter anderem bei kalifornischen und inzwischen auch bei deutschen Start-ups. Die erfolgreichen Vertreter unter ihnen zeigten, wie sie schnell Innovationen auf den Markt bringen können: „Laufen sie damit vor die Wand, laufen sie in eine andere Richtung. So lange, bis sie Erfolg haben.“

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