In Teilzeit arbeiten als Führungskraft – dieses Modell wird in Deutschland kritisch betrachtet. Und obwohl Frauen insgesamt häufiger Teilzeitjobs haben als Männer, gilt das nicht per se für die höheren Positionen.

Bislang ist Teilzeit in den Führungsetagen hierzulande kaum verbreitet. Auch gibt es bei der Besetzung von Managementpositionen mit Teilzeitmitarbeitern Unterschiede je nach Branche und nach Geschlecht. Das geht aus einer aktuellen Befragung im Auftrag von Randstad und des Ifo-Instituts vom zweiten Quartal dieses Jahres hervor. An den regelmäßig durchgeführten Studien nehmen bis zu 1.000 Personalverantwortliche deutscher Unternehmen teil.

Anteil der Teilzeit arbeitenden Manager bei rund 6,5 Prozent

Fast jedes zweite befragte Unternehmen (45 Prozent) besetzt Führungspositionen gar nicht in Teilzeit. 40 Prozent geben an, dass Führungsverantwortung in Teilzeitbeschäftigung für sie immerhin denkbar ist. Frauen in Teilzeit sind mit 5,7 Prozent etwas seltener im Management vertreten als Männer, von denen 6,9 Prozent leitende Posten bekleiden. Dabei sind Frauen mit 14,1 Prozent rund viermal häufiger in Teilzeit beschäftigt als Männer (3,3 Prozent). In Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern jedoch arbeiten Frauen öfter in Teilzeit-Führungspositionen als Männer. Das gilt insbesondere für Firmen mit mehr als 500 Beschäftigten, wo 3,7 Prozent Frauen 2,4 Prozent Männern gegenüberstehen. Die Studie führt dies unter anderem auf die gesetzlichen Vorgaben zur Frauenquote in Vorständen und Aufsichtsräten zurück.

„Das fehlende Angebot von Führungspositionen in Teilzeit hat viel mit der überholten Vorstellung von Führung und Kontrolle zu tun“, kommentiert Richard Jager, CEO von Randstad Deutschland, den insgesamt geringen Anteil von in Teilzeit tätigen Führungskräften. Arbeitszeit sollte in zukunftsgerichteten Unternehmen kein Maßstab mehr für Führungsleistung sein, so Jager. Hier seien in erster Linie entsprechende fachliche und soziale Kompetenzen gefragt, alles andere sei eine Frage der Organisation und nicht der 40-Stunden-Woche.

Ausnahme Dienstleistungssektor: mehr Teilzeit-Managerinnen

Die Analyse nach Wirtschaftsbereichen zeigt, dass im Verarbeitenden Gewerbe fast doppelt so viele teilzeitbeschäftigte Männer (10,8 Prozent) Führungspositionen innehaben als Frauen (6,3 Prozent). Allerdings klafft bei den Mitarbeitern in diesem Sektor auch das Geschlechterverhältnis zwischen Frauen (28 Prozent) und Männern (72 Prozent) am weitesten auseinander. Im gesamten Industriesektor liegt der Anteil der in Teilzeit arbeitenden Männer in Führungspositionen bei 4,8 und der der Frauen bei 2,8 Prozent. Lediglich im Dienstleistungsbereich sind mit 7,1 Prozent etwas mehr Frauen in Teilzeit in einer Führungsposition zu finden als Männer mit 6,4 Prozent. Die Dienstleistungsbranche gelte jedoch auch eher als weibliche Domäne, daher seien die Unterschiede unter anderem auf die strukturellen Gegebenheiten der Arbeitswelt zurückzuführen, so die Studie. Allerdings überwiegt auch hier der Anteil der Männer, wenn auch nicht so deutlich: In der Branche arbeiten 57 Prozent Männer und 43 Prozent Frauen. Ähnlich sieht es im Handel aus: Dort stehen 58 Prozent Männer 42 Frauen gegenüber. Der Anteil der teilzeitbeschäftigten Frauen in Führungspositionen beträgt dort aber nur 6,3 Prozent und ist deutlich niedriger als der ihrer männlichen Kollegen (10.8 Prozent).

Nach Ansicht von Richard Jager ist es – vor allem für viele Frauen – kein Widerspruch, sich um die Familie zu kümmern und gleichzeitig als Führungskraft einen guten Job zu machen. Flexibles Führen sei ein wichtiger Schritt, um verstaubte Geschlechterhierarchien und -verhältnisse aufzubrechen, dabei sollten auch Arbeitsmodelle wie Job Sharing mitgedacht werden.

Quelle: Personalwirtschaft.de

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