Strategien zur Mitarbeiterbindung und Maßnahmen für die Förderung des Team-Zusammenhalts müssen grundlegend überdacht werden, wenn viele Beschäftigte im Homeoffice sind. Das erfordert Fingerspitzengefühl von den Führungskräften.

56 Prozent der befragten Teilnehmenden an einer HR-Executive-Konferenz der Beratung Willis Towers Watson bezeichneten die Aufgabe, für ein Zusammengehörigkeitsgefühl und eine gelebte Unternehmenskultur zu sorgen, als ihre derzeit größte Herausforderung. Sie müssen neue Wege gehen, denn Studien zufolge bleiben Mitarbeitende ihrem Arbeitgeber vor allem aus drei Gründen treu: einem kurzen Weg zur Arbeit, einem stimmigen Gehalt und einem guten Kontakt zu den Kolleginnen und Kollegen.

Ersterer fällt im Homeoffice ganz weg und der Kontakt verlagert sich auf Telefonate und Videokonferenzen. Kein Wunder also, dass 42 Prozent der Unternehmen planen, das Zusammengehörigkeitsgefühl durch regelmäßige Team-Treffen oder Teambuilding-Maßnahmen aktiv zu pflegen. Ariane Köhler von Willis Towers Watson warnt allerdings davor, das nur halbherzig aus der Ferne zu betreiben: „Wenn Führungskräfte die Pflege der Teamkultur nur als lästige Pflicht betrachten, merken ihre Mitarbeitenden das sofort.“

Sie sollten sich vielmehr als Coach für diese verstehen, die zuhören, auf sie eingehen und sich ehrlich für deren Belange interessieren. Köhler zufolge kommt es auf die richtige Mischung aus einer als sinnstiftend empfundenen Arbeit, einer guten Unternehmenskultur, einem unterstützenden Arbeitsumfeld und einer angemessenen Vergütung an: Aus diesen vier Bausteinen setze sich das tägliche Arbeitserlebnis der Mitarbeitenden, die Employee Experience, zusammen.

Dass sie aufgrund der aktuellen Entwicklungen auch ihre Vergütungspraxis kritisch überprüfen müssen, scheinen die meisten Arbeitgeber zu wissen. So planen beispielsweise 42 Prozent, individuelle Leistungen, Kompetenzen oder Fähigkeiten stärker zu honorieren. Andernfalls, so die Befürchtung, könnten sie im Kampf um Top-Talente das Nachsehen haben. Rund ein Viertel will die Vergütung nach Mitarbeitergruppen differenzieren, während 18 Prozent dagegen für ein einheitliches stellenbezogenes Vergütungssystem für alle Mitarbeitenden plädieren. Nur 14 Prozent verfolgen indes die Devise: „Alles bleibt beim Alten“, heißt es bei der Beratung abschließend.

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