Die Politik sucht noch nach einem sinnvollen Ordnungsrahmen für die Arbeit auf digitalen Plattformen, obwohl bereits 1,4 Prozent der Erwerbstätigen in Europa zumindest teilweise damit arbeiten. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) fasst den Stand der Diskussion zusammen – und verweist auch auf die Fragestellung nach Selbstständigkeit oder abhängiger Beschäftigung.

Digitale Plattformarbeit ist im Allgemeinen dadurch gekennzeichnet, dass Arbeitsaufträge online an eine anonyme Vielzahl an Arbeitskräften vergeben werden, schreiben die Wissenschaftler. Auftraggeber und Plattformarbeitende böten dabei wechselseitig Arbeitsaufträge beziehungsweise ihre Arbeitskraft an.

Es gibt jedoch Unterschiede: Sogenannte Mikrojobs seien in der Regel einfache Aufträge, für die keine besonderen Fähigkeiten verlangt werden – im Gegensatz zu Makrojobs wie etwa handwerkliche Dienstleistungen oder Übersetzungsarbeiten. Darüber hinaus ließen sich die Plattformen auch dahingehend differenzieren, ob die Arbeit ortsgebunden ist oder nicht. Die Arbeitssteuerung erfolge vielfach über Algorithmen, oftmals auch die Überwachung durch Tracking und Tracing.

Die Frage, ob die Crowdworker Beschäftigte oder Solo-Selbstständige sind, ist noch nicht abschließend geklärt. Das Bundesarbeitsministerium (BMAS) plane jedoch einen Ordnungsrahmen, um die Gerichte zu entlasten. Dabei solle explizit der Sozialschutz für die Betroffenen verbessert werden. Aktuell beabsichtige das BMAS, Plattformarbeiterinnen und -arbeiter in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen und für diese verbindliche Mindestkündigungsfristen einzuführen. Des Weiteren sei eine Umkehrung der Beweislast bei der Feststellung des Status geplant. Dann müssten die digitalen Arbeitsplattformen den Beweis erbringen, dass die Plattformarbeiterinnen und -arbeiter Solo-Selbstständige sind und keine abhängig Beschäftigten.

Der IAB-Ökonom Enzo Weber hat weitere Ideen zur Verbesserung des Sozialschutzes für die Betroffenen. Mit seinem Modell würde vom monatlichen Einkommen aus der Plattformarbeit ein fixer Anteil automatisch auf ein persönliches Konto eingezahlt. Anschließend könnten die Beiträge zu den nationalen Sicherungssystemen transferiert und je nach nationalstaatlicher Prioritätensetzung auf die unterschiedlichen Sozialversicherungszweige aufgeteilt werden. So könnte der Sozialschutz der Betroffenen innerhalb der bestehenden Sozialstrukturen gewährleistet werden. Das setze aber internationale Vereinbarungen voraus.

Aktuelle Beiträge