Nach dem Ende der Homeoffice-Pflicht Anfang Juli steht die Rückkehr ins Büro zunehmend zur Diskussion. Doch bei dem Gedanken, wieder ständig im Büro zu arbeiten, kommt bei Beschäftigten Stress auf.

Medienberichten zufolge setzt manch ein Unternehmer wieder auf die Präsenz ihrer Angestellten. So beordert beispielsweise der US-Techkonzern Appel ab September seine Beschäftigten wieder zurück ins Büro, zumindest an drei Tagen pro Woche. Das kommt nicht bei allen gut an. Einem Artikel des Spiegel zufolge haben sich rund 80 Angestellte des Unternehmens in einem Brief an den Konzernchef Tim Cook gewandt und mehr Flexibilität gefordert.

Stress beim Gedanken an Rückkehr ins Büro

Bei jedem Zweiten kommt bei dem Gedanken an eine Rückkehr ins Büro Stress auf. Das zeigt eine Befragung der Unternehmens- und Personalberatung Korn Ferry unter 581 Professionals. So empfinden 55 Prozent der Befragten Stress, wenn sie daran denken, wieder ständig vom Büro aus zu arbeiten. Für 70 Prozent fühlt sich Remote Work heute als neue Normalität an. Knapp die Hälfte gibt an, ein Jobangebot abzulehnen, falls die vollständige Präsenz im Büro gefordert wäre.

Wenn Unternehmen nach Ende der Homeoffice-Pflicht oder der Sommerferien planen, Angestellte wieder ins Büro zu holen, sollten sie sich auf Motivationshürden einstellen, sagt Thomas Faltin, Experte für Organisationsentwicklung und Senior Client Partner von Korn Ferry. „Die Menschen haben sich daran gewöhnt, ihre Arbeitsabläufe anders zu organisieren und in der schwierigen Pandemie-Zeit die Vorteile eindeutig erkannt“, sagt er weiter. Wer jetzt signalisiere, Beschäftigte im Rahmen der vor der Pandemie vorherrschenden Präsenzkultur wieder besser kontrollieren zu wollen, der müsse sich auf Widerstand und Unverständnis der Mitarbeitenden einstellen.

Denn 85 Prozent der Befragten nehmen an, dass insbesondere das Management die Belegschaft wieder vor Ort sehen möchte. Lediglich 15 Prozent finden, dass dies ihr eigener Wunsch ist. Mehr als die Hälfte (58 Prozent) befürchtet zudem Karrierenachteile, wenn sie ihrer Führungskraft sagen, in Zukunft nicht mehr ausschließlich im Büro arbeiten zu wollen. Die Ergebnisse zeigen aber auch, dass Beschäftigte den persönlichen Austausch vermissen und Remote Work durchaus Nachteile hat. Thomas Faltin zufolge dürfte der Umkehrschluss der Umfrageergebnisse nicht sein, künftig die eigene Organisation vollständig über das Homeoffice zu betreiben. Eine generelle Empfehlung könne nicht ausgesprochen werden. Unternehmen sollten die individuellen Bedürfnisse und Lebensumstände bei ihren Entscheidungen in den Mittelpunkt stellen. Ein Ansatz wäre beispielsweise, Remote Work weiter zu ermöglichen und mit persönlichen Begegnungen im Büro zu kombinieren, sofern es der Infektionsschutz zulässt.

Mobiles Arbeiten und Homeoffice als Dauerlösung?

Gemäß der Corona-Arbeitsschutzverordnung haben Arbeitgeber technische und organisatorische Maßnahmen zu treffen, um Beschäftigte vor einer Infektion zu schützen. So sind betriebsbedingte Personenkontakte und die gleichzeitige Nutzung von Räumen durch mehrere Personen auf ein Minimum zu reduzieren. Um Kontakte zu vermeiden, kann die Arbeit im Homeoffice eine organisatorische Maßnahme sein. Bei der mobilen Arbeit gibt es hinsichtlich Arbeitsschutz einiges zu beachten – vor allem, wenn sie zur Dauerlösung wird.

Die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel definiert das Homeoffice als eine Form des mobilen Arbeitens. „Bleiben diese Arbeitsplätze nach dem Auslaufen dieser Regel bestehen, muss geklärt werden, ob es sich um mobiles Arbeiten oder einen Telearbeitsplatz handelt“, sagt Andreas Kaulen, Experte für Arbeitssicherheit bei TÜV Rheinland. Zu mobiler Arbeit gibt es keine eindeutige gesetzliche Regelung. Anders ist die Situation bei Telearbeitsplätzen. Dabei herrschen klare Vorgaben, was die Ausstattung des Arbeitsplatzes und die ergonomischen Anforderungen betrifft. Die Möbel stellt in der Regel der Arbeitgeber. Außerdem ist auf eine ausreichende und blendfreie Beleuchtung zu achten. Es greift die Arbeitsstättenverordnung. So ist beispielsweise vor Aufnahme der Tätigkeit eine Gefährdungsbeurteilung zu erstellen. „Beim Erstellen der Gefährdungsbeurteilung setzen wir Fragebögen ein, die die Beschäftigten selbst ausfüllen und mit Fotos ergänzen“, sagt Kaulen. Ein Besuch in der Wohnung sei dadurch fast nie erforderlich. Besonders bei dauerhaften Arbeitsplätzen im Homeoffice ist es wichtig, diese für Beschäftigte sicher und gesund zu gestalten.

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