Die Vier-Tage-Woche gilt vielen als erstrebenswertes Ziel, um mehr Zeit für Privates zu haben. Sie ist jedoch kein Selbstläufer: Wer gleichzeitig nicht auch die Arbeit verringert und den freien Tag voll verplant, gewinnt kaum an Lebensqualität.

Die Wirtschaftswoche berichtet aktuell vom Softwareunternehmen JustOn, das den Mitarbeitenden jeden zweiten Freitag freigab. Die Verringerung der Arbeitszeit und ihre Auswirkungen wurden von Christine Johannes, Psychologin an der Universität Erfurt, wissenschaftlich begleitet.

Zunächst berichteten viele davon, wie sie die freie Zeit nutzen wollen: mehr Wochenend-Reisen, ein Ehrenamt übernehmen, eine neue Sprache lernen. Nach einem halben Jahr hatte aber nur die Hälfte von ihnen ihre Pläne auch tatsächlich umgesetzt. Die Überraschung folgte, als die Wissenschaftlerin die Mitarbeitenden nach ihrer Zufriedenheit fragte. Wer die freie Zeit für sich und seine Erholung genutzt hatte, war glücklicher als diejenigen, die sie gleich mit Terminen und Aufgaben gefüllt hatten. Mehr Freizeit bedeutet also nicht automatisch auch mehr Erholung.

Zudem wurde der Zeitspielraum in der Vier-Tage-Woche geringer wahrgenommen. Die Befragten hatten von Montag bis Donnerstag mehr gearbeitet und weniger Pausen gemacht, um am Freitag wirklich einen freien Kopf und einen ebensolchen Schreibtisch zu haben. Dieser Druck könnte bei einigen auch der Grund dafür gewesen sein, den freien Freitag möglichst effizient mit Programmpunkten zu füllen. Eine wichtige Rolle spielen zudem die Führungskräfte. Wenn sie den freien Freitag ignorieren und Mitarbeitende dennoch kontaktieren, profitieren diese kaum noch davon.

Hilmar Schneider, Direktor des Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit (IZA), hält die Diskussion um die Vier-Tage-Woche indes ganz für aus der Zeit gefallen. „Moderne Arbeit ist vor allem geistige Arbeit“, zitiert ihn die Wirtschaftswoche. Diese lasse sich gar nicht mehr in ein messbares Zeit-Korsett pressen. Daher sollte sie weniger an der Zeit als vielmehr an ihrem Ergebnis bemessen werden. Arbeitszeit habe „allenfalls noch eine Symbolfunktion“, so Schneider.

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