Über die psychologischen Folgen der Corona-Pandemie wurde bereits viel diskutiert. Mittlerweile geraten aber auch zunehmend Mitarbeitende in den Blickpunkt, denen Long Covid die Leistungsfähigkeit raubt.

Wie der Verband für Fach- und Führungskräfte DFK mit Bezug auf Zahlen des Bundesforschungsministeriums berichtet, leiden in Deutschland rund 350.000 Menschen an den Folgen einer Corona-Erkrankung. Zu den Symptomen von Long Covid zählen extreme Erschöpfung, Minderbelastbarkeit oder Konzentrationsschwierigkeiten. Sie betreffen somit auch die Arbeitsfähigkeit und bedeuten eine weitere Herausforderung für die Unternehmen.

Darauf sollten sie sich einstellen, rät Reinhild Fürstenberg, Geschäftsführerin des gleichnamigen Instituts: „Arbeitgeber müssen auf Betroffene, die nach einer Corona-Infektion wieder zur Arbeit kommen, besonders gut achten.“ Gleichzeitig dürften die Beschäftigten, die unter Doppelbelastungen mit Beruf, Homeschooling und Pflege oder der Erfahrung von Isolation, unter Existenzsorgen und Angst vor Krankheit gelitten haben, nicht vernachlässigt werden. Die Zunahme von Depressionen, Angststörungen und Suchtmittelkonsum als Folge der Pandemie sei in den Beratungen des Instituts klar zu erkennen.

Arbeitgeber können dem auf vielfältige Weise gegensteuern. Etwa, indem sie Anlaufstellen für Gesundheitsthemen schaffen: „Das können speziell geschulte Personaler, Mitarbeitervertretungen oder professionelle externe Beratungsangebote sein.“ Führungskräfte sind dazu aufgerufen, Long Covid im Blick zu haben, Leistungseinbrüche schnell zu erkennen und im Sinne der Fürsorgepflicht Entlastungen zu schaffen. Möglich sei das beispielsweise durch flexiblere Arbeitszeiten für Betroffene.

„Long Covid und Stressfolgeerkrankungen können in Prozesse des Betrieblichen Eingliederungsmanagements integriert werden, wie man es von Beschäftigten mit Bandscheibenvorfällen oder Burnout kennt“, so Fürstenberg weiter. Zudem sieht sie Betroffene selbst in der Pflicht: Sie sollten sich Hilfe über betriebliche Angebote, spezialisierte Ambulanzen oder Hausärzte suchen. Auch Selbsthilfegruppen für Long Covid könnten eine gute Hilfe sein. Ihr Fazit: Gesunde Unternehmensführung frage nicht nur danach, wer krank ist, sondern vor allem, ob die Mitarbeitenden in ihrer vollen Kraft sind.

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