Auch wenn sich in den vergangenen Jahren einiges in puncto betrieblicher Gesundheitsförderung getan hat: Psychische Belastungen sind vielerorts immer noch ein Tabuthema. Viele Beschäftigte greifen deswegen sogar zu Notlügen, zeigt eine repräsentative Studie.

Insgesamt hat Linkedin dafür 2.018 deutsche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer befragen lassen. 1.017 davon hatten Führungsverantwortung. Mehr als ein Drittel der Teilnehmenden hat nach eigenen Angaben selbst schon an psychischen Erkrankungen oder einem Burnout gelitten. 67 Prozent gehen davon aus, dass die Anzahl der Betroffenen noch zunehmen wird.

Gleichwohl trauten sich 39 Prozent der Betroffenen nicht, am Arbeitsplatz offen über das Thema zu sprechen. 43 Prozent von ihnen glauben, dass es ihnen schaden würde, das zu tun. 46 Prozent räumten sogar ein, in der Vergangenheit schon einmal falsche Aussagen gemacht und beispielsweise körperliche Beschwerden vorgeschoben zu haben, als es um die eigene psychische Gesundheit ging. Darüber hinaus gab mehr als die Hälfte der Angestellten an, dass ihr Unternehmen keine externen Ratgeber für psychische Gesundheit zur Verfügung stellt.

Psychologin Nora Blum, die Linkedin bei der Studie unterstützte, rät zu mehr Prävention: „Das Schaffen von Wissen und Bewusstsein über Risikofaktoren ist entscheidend.“ Zusammen mit einem offenen, tabufreien Umgang könnten so leichte bis mittlere psychische Belastungen gut abgefangen werden. So sollten Arbeitgeber ihrer Meinung nach beispielsweise im Blick behalten, dass die Grenzen zwischen Arbeits- und Privatleben durch Digitalisierung und Remote Work verschwimmen. Das sei einer der Risikofaktoren.

Außerdem sollten sie ein Klima des Vertrauens schaffen und durch proaktive Kommunikation zu einer Entstigmatisierung psychischer Belastungen beitragen. Das zahle sich auch für sie aus, da sie so Krankheitstage verringern und die eigene Arbeitgebermarke nachhaltig stärken können.

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