Viele Beschäftigte gaben jüngst in Umfragen an, im Homeoffice produktiver zu sein. Eine datengestützte Analyse deutet jedoch darauf hin, dass Heimarbeit mehr Zeitaufwand für den gleichen Output bedeutet.

Einschränkend ist zu sagen, dass als Datengrundlage anonymisierte Personal- und Leistungsdaten von rund 10.000 Fachkräften eines asiatischen IT-Unternehmens dienten. Die Ergebnisse sind also nicht ohne Weiteres auf andere Länder und Branchen übertragbar. Interessant sind sie trotzdem, denn es könnte gute Gründe geben, warum die zitierten Umfragen möglicherweise kein genaues Bild der Wirklichkeit zeichnen. Manch ein Beschäftigter fühlt sich im Homeoffice vielleicht nur produktiver – oder er verschweigt etwas: „Kaum jemand, der auch nach der Pandemie das Homeoffice-Angebot weiter nutzen möchte, wird von sich selbst behaupten, dort weniger produktiv zu sein.“

Die Studie zeigt, dass die Beschäftigten nach dem pandemiebedingten Umzug ins Homeoffice den gleichen Output wie vorher lieferten und ihre Ziele in gleichem Maße erreichen konnten. Die dafür aufgewendete Arbeitszeit stieg aber um rund 30 Prozent, außerhalb der üblichen Geschäftszeiten um 18 Prozent. „Die Produktivität – gemessen als Output pro Arbeitsstunde – sank somit im Homeoffice um etwa 20 Prozent“, berichtet das Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA).

Bei Beschäftigten mit Kindern sank die Produktivität besonders stark, bei Frauen zudem stärker als bei Männern. Langjährige Mitarbeiter schnitten indes besser ab als Kollegen mit weniger Arbeitserfahrung. Das könnte daran liegen, dass eine bessere Kenntnis der Unternehmensabläufe und eine engere Vernetzung mit Kollegen die Effektivität im Homeoffice steigern.

Insgesamt führen die Autoren ihre Ergebnisse zum einen auf die größere Ablenkung im Homeoffice zurück, insbesondere in Haushalten mit Kindern. Zum anderen machen sie den Mehraufwand für Kommunikation und Kollaboration dafür verantwortlich. Mehr Zeit für formelle Meetings und mehr E-Mails gingen auf Kosten von fokussiertem, unterbrechungsfreiem Arbeiten. Der fehlende direkte Kontakt zu Vorgesetzten, Kollegen und Geschäftspartnern scheint der Produktivität ebenfalls zu schaden. Hybride Arbeitsformen seien daher für die Zukunft am erfolgversprechendsten, so das Fazit.

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