Das Erzielen von mehr Gleichberechtigung im deutschen Mittelstand ist ein Marathon, kein Sprint. 38 Prozent der Unternehmen haben zwar mindestens eine Frau in der Geschäftsführung. Der Frauenanteil in den Führungsgremien stieg binnen zweier Jahre allerdings nur um einen Prozentpunkt.

Das ist ein Kernergebnis des repräsentativen Mittelstandsbarometers der Beratung EY, für das 1.150 Unternehmen befragt wurden. Die Verbesserungen im Vergleich zu vorherigen Befragungen sind marginal. So stieg der Frauenanteil in den Führungsgremien in den vergangenen beiden Jahren lediglich von zwölf auf 13 Prozent. Der Anteil der Unternehmen mit mindestens einer Frau in der obersten Führungsebene legte im gleichen Zeitraum um gerade einmal zwei Prozentpunkte zu: „Das heißt im Umkehrschluss, dass nach wie vor 62 Prozent der Unternehmen rein männliche Führungsgremien haben.“

Interessant ist, dass vor allem kleine Unternehmen Frauen bessere Perspektiven bieten: Bei Unternehmen mit einem Umsatz zwischen zehn und 30 Millionen Euro beträgt der Frauenanteil im Top-Management immerhin 15 Prozent. In der Umsatzklasse über 100 Millionen Euro ist er mit neun Prozent deutlich kleiner. Die ganz Großen machen es allerdings kaum besser: Bei den DAX-Unternehmen betrug der Frauenanteil in den Vorständen dem Portal Statista zufolge im vergangenen Jahr 14,6 Prozent.

„Die Karrierechancen für Frauen im deutschen Mittelstand steigen, aber nur in kleinen Schritten. Ein Grund zum Schulterklopfen ist das sicher nicht“, konstatiert Elfriede Eckl von EY. Dass ausgerechnet die kleineren und weniger bekannten Mittelständler Frauen am ehesten auf Chefposten befördern, erklärt sie damit, dass diese sich im Werben um Fachkräfte generell mehr einfallen lassen müssen als größere und bekanntere Unternehmen. Zudem böten sie häufig flachere Hierarchien und ein familiäreres Betriebsklima.

Mittelständler fahren die aktive Frauenförderung indes tendenziell zurück: Nur noch 16 Prozent bieten sie an, vor einem Jahr waren es noch 19 Prozent. Die Pandemie habe außerdem dazu beigetragen, dass Frauen zusätzlich belastet werden, weil die Hauptlast der Kinderbetreuung wieder auf sie zurückgefallen sei, sagt Eckl: „Es bleibt vor allem eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, dass Frauen sich nicht zwischen Kind und Karriere entscheiden müssen.“

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