Wie sind Arbeitnehmer bisher mit der Corona-Krise zurechtgekommen? Eine Befragung zeigt, dass die Beschäftigten zahlreiche Veränderungen im Arbeits-, aber auch im Privatleben bewältigen mussten und vielfältigen Stressfaktoren ausgesetzt waren.

Die Krise drückt die Stimmung der Arbeitnehmer. Doch immerhin zwei Drittel der Unternehmen weltweit unterstützen ihre Mitarbeiter mental. Das ist ein Ergebnis der Studie „People at Work 2021: A Global Workforce View“. Dafür befragte das ADP Research Institute zwischen dem 17. November und dem 11. Dezember des letzten Jahres 32.471 Arbeitnehmer in 17 Ländern, darunter insgesamt 15.307 in Deutschland und sieben weiteren europäischen Ländern.

Einbußen beim Gehalt oder sogar des Jobs

Von den Studienteilnehmern war zum Befragungszeitpunkt mit 86 Prozent zwar noch die Mehrheit optimistisch, was die nächsten fünf Jahre am Arbeitsplatz betrifft, ein Jahr zuvor waren jedoch noch 92 Prozent zuversichtlich. Dass sich die Stimmung etwas getrübt hat, verwundert nicht, denn immerhin wurde global mehr als jeder vierte Beschäftigte (28 Prozent) vom Arbeitgeber beurlaubt, vorübergehend freigestellt oder hat seinen Job verloren. Fast ein Viertel (23 Prozent) musste Gehaltskürzungen hinnehmen. Gleichzeitig ist die Zahl der unbezahlten Überstunden von durchschnittlich 7,3 auf 9,2 Stunden pro Woche gestiegen. Am meisten betroffen sind Angestellte mit hybriden Arbeitsmodellen, die abwechselnd im Homeoffice und im Firmenbüro arbeiten.

Zusätzliche Belastung vor allem für berufstätige Eltern

Ein weiterer Belastungsfaktor ist es, dass zwei Drittel (67 Prozent) der Befragten nach eigener Aussage Kompromisse in Bezug auf ihr Berufs- und Privatleben eingehen mussten, wobei besonders Frauen und Eltern unter zusätzlichen Belastungen leiden. 15 Prozent der berufstätigen Eltern geben an, dass sie oder ein anderes Mitglied ihres Haushalts „freiwillig“ aus dem Berufsleben ausgeschieden sind. Bei Eltern mit Kindern unter einem Jahr hat sogar jeder Vierte (26 Prozent) den Job quittiert. Auch denkt jeder zweite Studienteilnehmer (52 Prozent), dass die Unterstützung der Arbeitgeber für berufstätige Eltern innerhalb eines Jahres auslaufen wird.

Kontrolle der Mitarbeiter seitens der Arbeitgeber hat zugenommen

Für mehr als jeden achten Arbeitnehmer (13 Prozent) stellt der Umgang mit Stress die größte Herausforderung während dieser Krise dar. Auch hier sind die Frauen in der Mehrzahl; sie sind auch weniger zuversichtlich als Männer hinsichtlich ihrer beruflichen Perspektiven. Was die einzelnen Stressfaktoren betrifft, so steht die Sorge darum, gesund zu bleiben, im Vordergrund: Jeder Fünfte ( 21 Prozent) gab an, das sei am kräftezehrendsten. Die psychische Belastung wird noch dadurch erhöht, dass die Kontrolle der Arbeitgeber gegenüber ihren Mitarbeitern zugenommen hat. Mehr als sechs von zehn Arbeitnehmern (62 Prozent) geben an, dass ihr Unternehmen die Zeiterfassung und Anwesenheit jetzt genauer überwacht als jemals zuvor.

65 Prozent der Unternehmen fördern mentale Gesundheit der Belegschaft

Laut Befragung sind viele Unternehmen über die psychologischen Auswirkungen der Krise auf die Mitarbeiter besorgt. Rund zwei Drittel der Arbeitnehmer (65 Prozent) sagen, dass ihre Arbeitgeber sie unterstützt haben, um die mentale Gesundheit zu gewährleisten. Es sei großartig zu sehen, dass so viele Unternehmen ihren Mitarbeitern helfen, mit den emotionalen und psychologischen Belastungen umzugehen, sagt Nela Richardson, Chief Economist bei ADP, gibt aber Folgendes zu bedenken: „Allerdings könnten die Bemühungen zur Förderung des psychischen Wohlbefindens untergraben werden, wenn Arbeitgeber bei der Überwachung von Anwesenheit und Zeitmanagement zu streng vorgehen. Durch einen Big-Brother-Ansatz riskieren sie, Stress- und Angstgefühle der Arbeiter zu verstärken“, so Richardson. Es sei zwar verständlich, dass Arbeitgeber in Homeoffice-Zeiten das Gefühl hätten, die Belegschaft genau im Auge behalten zu müssen. Der traditionelle Arbeitstag müsse jedoch überdacht werden und das Ein- und Ausstempeln zu bestimmten Zeiten sei möglicherweise nicht mehr der beste Weg, um maximale Produktivität zu erzielen. Angemessener Umgang mit Stress, Wohlbefinden, Arbeitsmoral und Produktivität müsse für Führungskräfte und HR in Zukunft ein zentrales Anliegen sein.

Quelle: Personalwirtschaft.de

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