Eine Ausbildung kann die Bleibeperspektive von Geduldeten in Deutschland verbessern und langfristig dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Die aktuell geltenden Regelungen führen aber zu einer hohen Unsicherheit – bei den Betrieben und bei den Betroffenen.

Geduldete Menschen sind in der Regel abgelehnte Asylsuchende, deren Abschiebung vorläufig ausgesetzt wurde, berichtet das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Die Duldung wird für einen bestimmten Zeitraum ausgestellt und kann bei Bedarf immer wieder verlängert werden.

Eine abgeschlossene Ausbildung erhöht grundsätzlich die Arbeitsmarkt- und Verdienstchancen und senkt das Risiko, arbeitslos zu werden. Bei Geduldeten hängt jedoch auch der Grad ihrer Aufenthaltssicherheit und im Extremfall sogar ihr Verbleib in Deutschland vom Ausbildungserfolg ab, heben die Forschenden hervor. Eine fehlende oder abgebrochene Ausbildung bedeute oftmals, dass sie in der Duldung verbleiben – mit dem Risiko, wieder in ihr Herkunftsland abgeschoben zu werden.

Darüber hinaus würden Duldungen oftmals maximal bis zu einem Jahr ausgestellt. Das mache die Azubis stark von ihrem Ausbildungsbetrieb abhängig. Diese wiederum hätten mit hoher Rechts- und Planungsunsicherheit zu kämpfen. Daran ändere auch die 2019 eingeführte „Ausbildungsduldung“ wenig, denn nach wie vor hänge grundsätzlich „das Damokles-Schwert der Abschiebung“ über den Betroffenen.

Aus diesem Grund will die neue Bundesregierung künftig Menschen mit Duldung bereits während der Ausbildung den Aufenthalt erlauben, heißt es beim IAB weiter. Damit würde eine zu starke Abhängigkeit der Betroffenen vom jeweiligen Ausbildungsbetrieb abgebaut. Zugleich erhielten Auszubildende wie Betriebe mehr Planungssicherheit. Die Abschaffung von bestehenden Ausbildungsverboten für Menschen aus sicheren Herkunftsländern und vereinfachte Verfahren der Identitätsklärung könnten ebenfalls kurzzeitig zu mehr Auszubildenden und langfristig zu mehr Fachkräften führen.

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