Nicht die Coronakrise, sondern der Fachkräftemangel, die Rohstoff- und Energiepreise sowie Hacker-Angriffe bereiten dem deutschen Mittelstand derzeit die größten Sorgen. Insgesamt bezeichnet aber rund die Hälfte der Unternehmen ihre Geschäftslage als gut.

Das geht aus einer Befragung der Beratung EY hervor, an der 800 nicht kapitalmarktorientierte Mittelständler teilnahmen. Freud und Leid liegen dabei oftmals nebeneinander. So berichten Unternehmen aus den Branchen Chemie, Pharma, Maschinenbau und Bauindustrie teilweise über eine hervorragende Geschäftslage und volle Auftragsbücher. Der Handel indes muss sich mit den Auswirkungen der Pandemie und staatlichen Einschränkungen herumschlagen, während die Autobranche unter der Halbleiterkrise und Produktionsausfällen leidet.

Als große Gefahr für das eigene Unternehmen bezeichneten 67 Prozent der befragten Unternehmen den Fachkräftemangel. Im Vorjahr lag der Anteil noch bei 54 Prozent. Auch hohe Rohstoffpreise (63 Prozent) und Hackerangriffe (61 Prozent) sehen viele Mittelständler mit Sorge, während die Pandemie „nur“ 54 Prozent Kopfzerbrechen bereitet.

Mit Blick auf das Jahr 2022 ist das Glas für die meisten eher halb voll als halb leer, so ein weiteres Ergebnis der Befragung. Knapp jeder dritte Betrieb will die Investitionen hochfahren, nur fünf Prozent wollen weniger investieren als 2021. Des Weiteren wollen 34 Prozent die Zahl der Beschäftigten erhöhen, nur bei sechs Prozent soll sie sinken. Michael Marbler von EY kann das gut nachvollziehen. Trotz der Pandemie spreche einiges für einen spürbaren Konjunkturaufschwung, sofern die Lieferengpässe überwunden werden können: „In vielen Bereichen besteht inzwischen ein enormer Nachholbedarf.“

Die hohe Einstellungsbereitschaft hat aber auch eine Schattenseite, denn sie dürfte den bereits bestehenden Fachkräftemangel weiter verschärfen. Aktuell fällt es der Umfrage zufolge bereits 94 Prozent der Mittelständler aus der Elektrotechnikbranche schwer, neue und ausreichend qualifizierte Mitarbeitende zu gewinnen. In der chemisch-pharmazeutischen Industrie sowie der Metallerzeugung und -verarbeitung liegt die Quote mit 90 beziehungsweise 88 Prozent ähnlich hoch.

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