Tech-Berufe sind immer noch mehrheitlich männlich besetzt. Einer Studie zufolge werden weibliche IT-Fachkräfte auch viel seltener zu Vorstellungsgesprächen eingeladen.

Nur etwas mehr als ein Viertel (28 Prozent) der Beschäftigten in der Technologiebranche in Europa ist weiblich, doch es ist ein leichter Trend nach oben zu beobachten. Viele Frauen kommen später als Quereinsteigerinnen in die IT. Das zeigt die Studie „Women in Tech“, von Le Wagon, einem internationaler Tech- und Programmierungs-Weiterbildungsanbieter, und Honeypot, einer europäischen Plattform für Tech-Jobs. Im Fokus der Studie stehen die Länder der DACH-Region, Deutschland, Österreich und die Schweiz. Berücksichtigt wurden die Angaben von 17.000 Bootcamp-Absolventen und -Absolventinnen von IT-Kursen von Le Wagon, außerdem wurden Interviews mit Frauen in Tech-Berufen in Deutschland, Großbritannien und anderen Ländern durchgeführt.

Immer mehr Frauen erlernen das Programmieren. Derzeit ist gut jeder dritte Teilnehmer (34 Prozent) der Programmier-Camps von Le Wagon weiblich. Während der Corona-Krise war der Anteil jedoch zunächst zurückgegangen. Die Studienmacher vermuten, dass Frauen in der Zeit häufiger Care-Arbeiten übernommen haben.

Viele Frauen in der IT sind Quereinsteigerinnen

Auf welchen Wegen sind Frauen zur IT gekommen und wie kamen sie mit dem Thema in Berührung? Rund die Hälfte der Studienteilnehmerinnen (52 Prozent) hat sich für die Tech-Branche entschieden, um beruflich neue Wege zu gehen. Etwa ein Fünftel (19 Prozent) versprach sich davon ein höheres Gehalt oder mehr Jobsicherheit. 15 Prozent geben an, dass sie schon immer Interesse am Programmieren hatten.

Lediglich vier Prozent der befragten Frauen hatten bereits Programmierkurse in der Schule. Ein beträchtlicher Anteil von 41 Prozent sagt, sich die Technologie selbst beigebracht zu haben. 78 Prozent der Befragten haben ihr IT-Wissen in Bootcamps erworben. Mehrfachnennungen waren allerdings möglich. Die Angaben machen dennoch deutlich, dass viele Frauen auf alternativen Bildungswegen, vor allem als Quereinsteigerinnen, in die Tech-Branche gelangen. Auch starteten knapp drei Viertel (75 Prozent) erst mit 27 Jahren in den Bereich, also recht spät. Jede dritte Frau (33 Prozent) gibt an, nicht früher in den Bereich gegangen zu sein, weil sie befürchteten, dass ihnen fachliche Kenntnisse fehlten, da IT nicht in der Schule gelehrt wurde. 42 Prozent hatten keine Informationen über die Branche und mögliche Jobprofile sowie Karriereoptionen.

„Am Ende haben Frauen und Männer zwar ähnliche oder gleiche Positionen inne, doch sie kommen auf teils völlig unterschiedlichen Wegen dorthin“, kommentiert Hakan Housein, Sprecher von Le Wagon Deutschland, das Befragungsergebnis.

Tech-Expertinnen werden seltener zu Vorstellungsgesprächen eingeladen als Männer

Obwohl immer mehr Frauen im Tech-Sektor arbeiten wollen, werden sie deutlich seltener zu entsprechenden Vorstellungsgesprächen eingeladen als ihre männlichen Kollegen. So wurde letztes Jahr nur etwa ein Sechstel (16 Prozent) der Userinnen der Plattform Honeypot zu Vorstellungsgesprächen eingeladen, während von den männlichen Bewerbern 84 Prozent die Chance erhielten. Da Unternehmen häufig monieren, keine passenden Fachkräfte finden zu können, verwundert es, dass sie nicht stärker auf das weibliche IT-Potenzial zurückgreifen.

Wichtig für einen wachsenden Frauenanteil in IT-Berufen sind auch Vorbilder und Karriereunterstützung. Fast alle befragten Frauen sagten, dass Mentoren und andere Kolleginnen von Bedeutung seien. Laut Studie sind von den Frauen im IT-Bereich heute fast zwei Drittel (63 Prozent) im Alter von 25 bis 34 gegenüber erst 33 Prozent bei den 35- bis 44-Jährigen und nur vier Prozent in der Altersgruppe 45 bis 54. Dass der Anteil der jungen Frauen aktuell so hoch liegt, sei ein ermutigendes Wachstum für die Zukunft, so die Studienmacher, da sie eine neue Gruppe von weiblichen Mentoren darstellen könnten. Während also an vielen Stellen schon Fortschritte erkennbar sind, gibt es in anderen Punkten noch deutlich Luft nach oben, so das Fazit der Studie.

Quelle: Personalwirtschaft.de

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