Personalempfehlungsprogramme wirken sich positiv aus – das ist bekannt. Eine Studie zeigt aber nun, dass das nicht nur für die Neueinstellungen gilt: Auch die Fluktuation in der vorhandenen Belegschaft verringert sich.

Ein Forschungsteam mit Beteiligung der Universität Konstanz führte in zufällig ausgewählten Filialen einer großen europäischen Supermarktkette Empfehlungsprogramme mit unterschiedlich hohen Prämien ein. 13 Monate später verglich es die Ergebnisse mit den übrigen Filialen. Unter dem Strich führte die Einführung eines Personalempfehlungs-Programms zu rund 15 Prozent weniger Personalwechsel.

Ein Grund dafür war die signifikant geringere Wechselquote der auf Empfehlung hin eingestellten Mitarbeitenden: Sie kündigten um 45 Prozent seltener als Neueinstellungen ohne Empfehlung. „Das ergibt durchaus Sinn: Durch Empfehlungen werden Personen gefunden, die besser zum Job passen, ansonsten wären sie ja auch nicht empfohlen worden“, sagt Professor Dr. Nick Zubanov von der Uni Konstanz.

Das erkläre aber nicht den kompletten beobachteten Effekt, weil die Anzahl der Empfehlungen im Gesamten sehr gering war. Lediglich drei Prozent der Neueinstellungen in den untersuchten Filialen basierten auf Empfehlungen. Allerdings kündigten auch die anderen Beschäftigten der Filialen seit der Einführung des Empfehlungsprogramms seltener. Das galt sogar in Filialen, die zwar ein Prämiensystem eingeführt hatten, in denen es aber in der Praxis zu gar keinen Empfehlungen kam.

Die Forschenden begründen das damit, dass das Empfehlungsprogramm den Beschäftigten das positive Gefühl gab, in die Stellenbesetzung einbezogen zu sein. Quantitativ ausschlaggebender für den verringerten Personalwechsel sei also der positive Effekt, den das Empfehlungsprogramm auf die Unternehmenskultur hatte. Seine Vorteile ließen sich sogar in barer Münze gegenrechnen: Die ausgezahlten Prämien kosteten das Unternehmen hochgerechnet zehn Cent pro Arbeitnehmendem und Monat, während die Ersparnisse durch weniger Personalwechsel bei mindestens 2,49 Euro pro Arbeitnehmendem und Monat lagen. Kein Wunder also, dass die Supermarktkette eine leicht angepasste Version des Empfehlungsprogramms nach Abschluss der Testphase in sämtlichen ihrer Filialen einführte.

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