Die Arbeitsbedingungen für pflegerisches und medizinisches Personal standen schon vor Corona in der Kritik. Um Mitarbeitende halten und Nachwuchstalente für die Branche gewinnen zu können, sind einige Anstrengungen nötig.

Der Personaldienstleister Adecco zählt einige Gründe auf, warum Berufsbilder in der Pflege für junge Menschen wenig attraktiv sind. Sie hatten bisher ein geringes Ansehen, fordern Fachwissen, hervorragende soziale Kompetenzen und bringen physische und psychische Belastungen mit sich – „und das alles bei relativ niedrigen Löhnen“. So seien beispielsweise lediglich 20 Prozent der Altenpfleger tarifgebunden. Dadurch hätten die meisten von ihnen grundsätzlich schlechtere Arbeits- und Lohnbedingungen.

Jede Krise birgt aber auch Chancen. So ist die Wertschätzung für sogenannte systemrelevante Berufe in den vergangenen Monaten stark gestiegen. Zudem habe die Bundesregierung gegengesteuert, heißt es bei Adecco weiter: Von Januar dieses Jahres an seien 20.000 zusätzliche Stellen für Pflegehilfskräfte geschaffen worden. Bis April 2022 sollen außerdem die Mindestlöhne für Pflegehilfskräfte in der Altenpflege schrittweise ansteigen. Die regional unterschiedlichen Pflegemindestlöhne sind jüngst bundesweit angeglichen worden. Beschäftigte in der Altenpflege erhalten zudem eine Corona-Prämie von bis zu 1.500 Euro.

Auch beim Urlaubsanspruch wurde nachgebessert: Beschäftigte mit einer Fünf-Tage-Woche bekommen in den Jahren 2021 und 2022 sechs zusätzliche bezahlte Urlaubstage. Perspektivisch werden außerdem bis 2023 die Zahl der Azubis sowie der ausbildenden Einrichtungen um 10 Prozent gesteigert und mindestens 5.000 Weiterbildungsplätze zur Nachqualifizierung von Pflegehelfern eingerichtet, berichtet der Personaldienstleister.

Dass solche Maßnahmen dringend nötig sind, zeigt unter anderem eine Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN), an der 1.321 Mitarbeitende aus den Bereichen der Intensiv- und Notfallmedizin sowie des Rettungswesens teilgenommen haben. Rund ein Drittel von ihnen gab an, den Beruf in den nächsten zwölf Monaten verlassen zu wollen.

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