Welche Firmen stellen besonders viele geflüchtete Menschen ein? Eine Rolle spielt unter anderem die Größe des Unternehmens – und vorherige Erfahrungen mit Beschäftigten aus dem Ausland.

Rund die Hälfte der in Deutschland tätigen Geflüchteten ist in einer Branche tätig, die überwiegend kleinbetrieblich strukturiert sind und in der sich im Ausland erworbene Kenntnisse oft besser auf dem hiesigen Arbeitsmarkt einsetzen lassen. Das geht aus einer kürzlich veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor. Sie basiert auf Auswertungen des IAB-Betriebspanels, einer repräsentativen Befragung von jährlich rund 15.500 Betrieben.

Beschäftigung vor allem in Zeitarbeit, Handel, Bau- und Gastgewerbe

Die Forscher haben dabei untersucht, welche Unternehmen Geflüchtete bevorzugt einstellen und in welchen Arbeitsverhältnissen die Migranten hauptsächlich beschäftigt sind. Dabei zeigte sich, dass besonders viele Geflüchtete in der Zeitarbeit tätig sind, sowie im Handel, Bau- und Gastgewerbe. So arbeiten zum Beispiel zwölf Prozent der Geflüchteten im Gastgewerbe, obwohl die Branche nur vier Prozent der Gesamtbeschäftigung ausmacht.

Insgesamt ist mehr als jeder zweite Geflüchtete (56 Prozent) in kleinen Betrieben mit bis zu 50 Mitarbeitern tätig. Zum Vergleich: Über alle Arbeitnehmergruppen betrachtet arbeiten 43 Prozent aller Beschäftigten in kleinen Betrieben. Das heißt: Kleine Unternehmen sind bei der Einstellung Geflüchteter engagierter als die Gesamtwirtschaft.

Betriebe mit ungedecktem Personal- und Auszubildendenbedarf stellen ebenfalls häufiger Geflüchtete ein; insbesondere in Regionen, in denen die Arbeitslosenquote gering ist. Geflüchtete könnten damit dazu beitragen, die Arbeitskräftebasis der Betriebe zu stabilisieren, so das IAB. Da kleine, aber auch mittlere Betriebe häufiger Probleme haben, geeignetes Personal zu finden, seien sie möglicherweise eher zu Kompromissen bereit, was formale Qualifikationsanforderungen und Berufserfahrung betrifft, so die Studie.

Frühere Erfahrung mit ausländischen Arbeitskräften spielt eine Rolle

Um die gesuchten Arbeitskräfte zu finden, nutzen kleine Unternehmen auch überdurchschnittlich häufig die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder andere persönliche Kontakte als Rekrutierungsweg, ergänzt IAB-Forscher Andreas Hauptmann. Das könnte auch eine Rolle spielen bei einem weiteren Ergebnis der Studie: Von den Arbeitgebern, die bereits in den Jahren 2010 bis 2014, also vor dem starken Anstieg der Flüchtlingszahlen, Erfahrungen mit ausländischen Arbeitskräften – aus der EU, aus Drittstaaten oder den wichtigsten Asylherkunftsländern – gemacht haben, stellen acht Prozent auch Geflüchtete ein, während dieser Anteil bei Betrieben ohne diese Erfahrung lediglich bei knapp zwei Prozent liegt. Dieser Effekt zeigt sich vor allem bei Firmen mit mehr 100 Beschäftigten: Von den Unternehmen, die vor 2015 Erfahrungen mit Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen aus den acht wichtigsten Asylherkunftsländern gemacht hatten, hat jedes Dritte Geflüchtete beschäftigt – im Gegensatz zu nur jedem zehnten Betrieb ohne Erfahrung mit ausländischem Personal.

„Diese Betriebe können möglicherweise im Ausland erworbene Ausbildungen oder mitgebrachte Arbeitserfahrungen besser einschätzen und informelle Kontakte leichter nutzen“, lautet eine Erklärung von IAB-Forscher Sekou Keita.

Die Studie macht noch weitere Gründe dafür aus, warum Unternehmen, die schon ausländische Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen beschäftigen, eher Geflüchtete einstellen. So könnten vorangegangene positive Erfahrungen mit Migranten und Migrantinnen und ein besserer Überblick über institutionelle Regelungen und Vorschriften bei der Rekrutierung eine Rolle spielen. Letzteres gelte zum Beispiel insbesondere für Betriebe, die schon Erfahrung mit Arbeitskräften aus Drittstaaten haben.

Quelle: Personalwirtschaft.de

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