Ghosting bezeichnet einen abrupten Kontaktabbruch. Das kommt nicht nur in Beziehungen, sondern auch im Bewerbungsprozess vor – und wird zu einem immer größeren Problem für Arbeitgeber.

In den USA haben bereits 28 Prozent der Jobsuchenden schon einmal den Kontakt zu einem Arbeitgeber abgebrochen, berichtet die Jobbörse Indeed von einer Umfrage ihrer Kolleginnen und Kollegen aus Übersee. Von den befragten Unternehmen waren 76 Prozent im letzten Jahr vom sogenannten Job Ghosting betroffen. Die Unsitte ist auf beiden Seiten anzutreffen: So gaben zehn Prozent der befragten Bewerbenden an, dass der Kontakt vom potenziellen Arbeitgeber abgebrochen wurde, nachdem ihnen ein mündliches Stellenangebot unterbreitet wurde.

Dieses „gespenstische Phänomen“ könne auf ein größeres Problem im Unternehmen hinweisen, heißt es bei Indeed weiter. Nicht nur, dass es den Recruitingprozess langwierig und kostspielig macht. Es könnte auch darauf hindeuten, dass Kandidatinnen und Kandidaten sich dem Unternehmen oder der Stelle nicht verbunden fühlen. Der Trend sei zwar nicht neu, wurde aber jüngst durch die Covid-Pandemie und die Tatsache, dass sich viele Jobsuchende ihre neue Stelle mittlerweile aus mehreren aussuchen können, befeuert.

Um gegen Ghosting vorzugehen, sollten zunächst einmal alle nicht interessierten Bewerbenden in jeder Phase des Recruitings aussortiert werden, schreibt Frank Hensgens von Indeed. Darüber hinaus sei eine „gekonnte Kombination“ aus persönlichem Kontakt und automatisierten Nachrichten zwischen den Recruitern und den Kandidatinnen und Kandidaten nötig: Werde ein zwischenmenschlicher Kontakt aufgebaut, sei es zumindest wahrscheinlicher, dass Bewerbende Bescheid geben, wenn sie sich dazu entscheiden, den Bewerbungsprozess abzubrechen.

Auch SMS können überraschenderweise helfen: Studien zufolge werden sie fünfmal eher geöffnet und achtmal eher beantwortet als E-Mails. SMS sollten jedoch nicht unaufgefordert versendet werden. Wurden aber im Vorhinein Kontaktdaten ausgetauscht und ein erster Dialog gestartet, könne dieser Kommunikationswechsel die Wahrscheinlichkeit steigern, dass Kandidatinnen und Kandidaten wichtige Nachrichten lesen. Eine weitere potenzielle Lösung, um Job Ghosting vorzubeugen, seien flexible Terminangebote einschließlich Abend- und Wochenendterminen.

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