Viele deutsche Unternehmen beklagen einen Fachkräftemangel. Das Personal der betroffenen Betriebe leidet selbst darunter, was die Situation noch verschärft.

Mehrere Branchen hierzulande finden derzeit keine geeigneten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Supermärkte verkürzen daher ihre Öffnungszeiten ebenso wie Restaurants und auch der Flugverkehr steht zum Teil still. Selbst Bademeister in Schwimmbädern fehlen – von Beschäftigten in der Pflege ganz zu schweigen. Überall mangelt es an Personal, auch und vor allem in nicht-akademischen Berufen. Infolge der Corona-Lockdowns und anderer Maßnahmen waren viele Beschäftigte entlassen worden und/oder suchten sich – vor allem aufgrund der unsicheren Perspektiven – andere Jobs.

Mehrbelastung der Beschäftigten durch fehlende Fachkräfte

Für die verbleibenden Fachkräfte bringt der Personalmangel häufig Zusatzarbeit und andere Einschränkungen mit sich. Das zeigt eine aktuelle Studie von meinestadt.de. Im Auftrag des Regionalportal mit Online-Jobbörse für Fachkräfte mit Berufsausbildung wurden im Juli dieses Jahres 3.000 Fachkräfte mit Berufsausbildung repräsentativ befragt. Fast zwei Drittel (64 Prozent) der Befragten geben an, dass sich der Fachkräftemangel negativ auf ihre tägliche Arbeit auswirkt.

Mehr als ein Viertel von ihnen macht Überstunden, weil es an Personal fehlt. Rund jeder und jede Dritte (32 Prozent) sagt, dass sich die Arbeitszeit verdichtet hat und sie in der gleichen Zeit mehr schaffen müssen als bisher. Außerdem bietet gut jedes zwanzigste Unternehmen (5 Prozent) nach Aussage der Studienteilnehmer und -teilnehmerinnen bestimmte Leistungen für Kunden nicht mehr an, weil keine Angestellten da sind, die diese übernehmen könnten.

Jeder Fünfte zu Branchenwechsel bereit

Infolge der negativen Auswirkungen des Mangels an Fachkräften kann sich aktuell jeder fünfte Befragte (19 Prozent) vorstellen, in eine Branche zu wechseln, die sicherer ist und weniger von der Coronapolitik beeinflusst ist. Berufe, die bereits vom Fachkräftemangel betroffen sind, dürften zusätzlich an Attraktivität verlieren und die Bindung an Arbeitgeber und Branchen wird nachlassen, so die Studie. Die steigende Belastung der Beschäftigten heize den Fachkräftemangel noch weiter an.

„Der Fachkräftemangel beginnt, sich selbst zu reproduzieren. Arbeitgeber, die eine dauerhafte Unterversorgung mit Fachkräften vermeiden wollen, müssen mit ihren Angeboten stärker als bislang die Präferenzen und Bedürfnisse der Fachkräfte treffen”, mahnt Mark Hoffmann, CEO von meinestadt.de.

Entscheidend bei der Jobsuche: Sicherheit und pünktliche Gehaltszahlung

Die Studie hat auch untersucht, worauf Fachkräfte bei der Jobsuche aktuell besonderen Wert legen. Auf Platz eins steht ein sicherer Arbeitsplatz; für drei Viertel der Befragten (75 Prozent) ist dieser Faktor sehr wichtig. Mit nur wenig Abstand (73 Prozent) folgt die Pünktlichkeit der Gehaltszahlung auf Platz zwei. Dass diese beiden Aspekte bei den Erwartungen und Wünschen vorne liegen, ist angesichts der aktuellen Krisenzeit nicht überraschend.

Auf geregelte, planbare Arbeitszeiten legen immerhin knapp sechs von zehn Befragten (59 Prozent) großen Wert. Ein überdurchschnittliches Grundgehalt hingegen ist nur für ein Drittel (34 Prozent) von Bedeutung und gute Aufstiegschancen spielen mit rund einem Fünftel der Nennungen (19 Prozent) eine noch kleinere Rolle.

Quelle: Personalwirtschaft.de

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