Die Zinsen sind niedrig und werden es sehr wahrscheinlich auch noch eine lange Zeit bleiben. Damit rücken auch 100-prozentige Beitragsgarantien in der betrieblichen Altersversorgung (bAV) in den Blickpunkt: Manche Experten halten sie für nicht mehr zeitgemäß und plädieren für eine Absenkung.

Die Entwicklung des Höchstrechnungszinses für Versicherungen seit 1994 spricht eine deutliche Sprache: Von damals vier Prozent sinkt er für Neuverträge von 2022 an auf 0,25 Prozent. Nach Berechnungen der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) würde es künftig über 100 Jahre dauern, bis eine garantierte Leistung in Höhe der eingezahlten Beiträge erreicht wird, berichtet Dr. Carsten Schmidt vom HR- und bAV-Lösungsanbieter Lurse. Daher sei zu erwarten, dass die Versicherungswirtschaft künftig keine Tarife mit hundertprozentiger Beitragsgarantie mehr anbietet.

Das wirke sich auch auf die bAV aus, in der diese Entwicklung bereits eingesetzt habe. So habe die Allianz im Neugeschäft mit beitragsorientierten Leistungszusagen (BOLZ) die Garantie auf 90 Prozent abgesenkt. Andere Versicherer seien dem Beispiel umgehend gefolgt. Tatsächlich sehe das Betriebsrentengesetz für die BOLZ keine bestimmte Mindestleistung vor. Das Bundesarbeitsgericht habe in einem Urteil lediglich gefordert, dass der Arbeitnehmer bei Abschluss einer Entgeltumwandlungsvereinbarung im Rahmen einer BOLZ wissen müsse, welche Leistung er mindestens erhält.

Die DAV fordert, die Mindestgarantie nun auch bei der Beitragszusage mit Mindestleistung (BZML) zu reduzieren und an die Gegebenheiten des Kapitalmarkts anzupassen. Abgesenkte Garantien ermöglichten höhere Anlagechancen: Weniger Geldmittel würden in niedrig verzinslichen Anlagen gebunden und könnten stattdessen in renditestarke Substanzwerte investiert werden. Die Chancen, die sich vor allem langfristig auf dem Kapitalmarkt ergeben, würden bisher viel zu selten genutzt. Innovative und flexible Anlagemodelle, die auf die volle Beitragsgarantie verzichten, könnten letztlich höhere Renditen ermöglichen.

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