Die betriebliche Altersversorgung (bAV) steht bei vielen Arbeitgebern und Arbeitnehmern hoch im Kurs. Das Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) scheint seine Wirkung bisher allerdings stellenweise zu verfehlen.

Das geht aus einer Umfrage der Beratung Willis Towers Watson hervor, für die insgesamt 220 bAV-Experten und -Verantwortliche befragt wurden. Demnach wollen 83 Prozent der Unternehmen, die eine bAV anbieten, auch während der Corona-Krise ohne Einschränkungen an ihr festhalten oder sie sogar verbessern. Lediglich zehn Prozent der Befragten aus Unternehmen, die eine bAV anbieten, gaben an, dass ein stärkeres Kosten- oder Cash-Management im Fokus stehe.

Das BRSG sollte zur weiteren Verbreitung dieser Form der Altersvorsorge beitragen. Hier zeigt sich jedoch, dass sich die Anzahl an aktiven Anwartschaften in Deutschland seit seiner Einführung kaum erhöht hat. Teile des Gesetzes seien zwar erfolgreich angenommen worden – etwa die Geringverdienerförderung, die Ende 2018 bereits Eingang in 680.000 Verträge fand. Dies sei jedoch „eine der wenigen Erfolgsgeschichten aus dem BRSG“.

Eine der größten Änderungen war die neue Zusageform der reinen Beitragszusage im Sozialpartnermodell ohne Haftung des Arbeitgebers. Sie sei jedoch aufgrund der Vielzahl der beteiligten Parteien und der komplexen regulatorischen Rahmenbedingungen nur mit großem Abstimmungsaufwand umzusetzen. Bisher sei das noch nicht geschehen, wenn einige Projekte auch weit fortgeschritten seien. Einfacher und zielführender ist es Willis Towers Watson zufolge, außerhalb der reinen Beitragszusage risikoarme Pensionsplangestaltungen umzusetzen.

Die Beratung schlägt zudem sogenannte Opting-out-Pensionspläne vor. Die Mitarbeiter sparen dabei automatisch einen Teil ihres Entgelts, können dem aber auf Wunsch widersprechen. „Es ist hinlänglich belegt, dass viele Menschen vor komplexen Entscheidungen für die ferne Zukunft zurückschrecken und eher gar nichts tun“, so Dr. Michael Karst. Das sei für die Altersversorgung fatal. Werde hingegen diese Entscheidungslogik umgekehrt, führe das Nichtstun automatisch zu einer ergänzenden Altersvorsorge. So ließe sich die weitere Verbreitung der bAV rasch steigern.

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