Das Entgelttransparenzgesetz (ETG) gilt bislang vielen als zahnloser Tiger. Eine neue Studie bestätigt nun seine mangelnde Durchschlagskraft. Möglicherweise wird es aber bald nachgeschärft – auf Druck aus Brüssel.

Die an das Gesetz geknüpften Erwartungen hätten sich nicht erfüllt, berichtet Desirée Genovese von Lurse. Die Beratung hat dazu 80 Unternehmen aus verschiedenen Branchen befragt. Bei 88 Prozent von ihnen haben seit dem Inkrafttreten des ETG maximal fünf Prozent der Beschäftigten Auskunft zur Entgeltgerechtigkeit verlangt. Hinzu kommt, dass das Gesetz vor allem weiblichen Beschäftigten zu gleichem Lohn verhelfen soll. Ein Drittel derer, die es in Anspruch genommen haben, sind aber Männer.

Nur vier Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass sich das Gesetz positiv auf sie ausgewirkt hat. Die meisten hatten nach eigener Einschätzung ohnehin keinen Bedarf: 80 Prozent sahen sich auf einem guten Weg oder sogar am Ziel, was die allgemeine Chancengleichheit angeht. Allerdings liegen in Deutschland sowohl der Gender Pay Gap als auch das geschlechtsspezifische Rentengefälle deutlich über dem EU-Durchschnitt.

Das könnte sich künftig aber aufgrund von Druck der EU ändern. Die Kommission hat eine neue Richtlinie in Arbeit, die unter anderem Sammelklagen auf gleiches Entgelt im Namen der Arbeitnehmer ermöglichen soll. Außerdem sieht sie einen besseren Zugang zur Justiz für Diskriminierungsopfer vor. Im Fall von Diskriminierungen soll es einen Rechtsanspruch auf vollständige Entschädigung geben – einschließlich Entgeltnachzahlungen, den damit verbundenen Boni oder Sachleistungen sowie der Erstattung von Gerichtskosten. Grundsätzlich müssten die Unternehmen nachweisen, dass keine Diskriminierung vorliegt.

Schon die Aussicht auf solche Nachzahlungen dürfte die Zahl der Auskunftsbegehren ansteigen lassen, vermutet Birgit Horak von Lurse. Mögliche Sanktionen erhöhten das unternehmerische Risiko zusätzlich. Kein Wunder also, dass sich immerhin 32 Prozent der Unternehmen durch den Vorschlag der EU-Kommission vor große Herausforderungen gestellt sieht. Die Beratung empfiehlt, jetzt die Gelegenheit zu nutzen, um etwaige noch bestehende Entgeltgefälle zwischen Männern und Frauen einzuebnen.

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