Die Bundesregierung will den gesetzlichen Mindestlohn im Oktober auf 12 Euro anheben. Knapp die Hälfte der Unternehmen ist davon betroffen, vor allem im Handel und Dienstleistungssektor.

Das geht aus einer Befragung von Randstad und dem ifo-Institut hervor, an der pro Quartal bis zu 1.000 Personalleiter teilnehmen. Derzeit liegt der Mindestlohn bei 9,82 Euro, im Juli steigt er planmäßig auf 10,45 Euro. Die von der Ampelkoalition betriebene erneute Anhebung im Oktober bedeutet für 44 Prozent der Unternehmen, dass sie ihre Löhne nach oben korrigieren müssen. Die andere Hälfte zahlt bereits jetzt mindestens 12 Euro, sechs Prozent haben keine Angaben gemacht.

Zwischen den verschiedenen Wirtschaftszweigen werden indes große Unterschiede deutlich. So geben 54 Prozent der Handelsbetriebe und 42,5 Prozent der Dienstleister an, ihre Mindestlöhne anpassen zu müssen. Dagegen hat die Mindestlohnerhöhung nur bei 37 Prozent der Industrieunternehmen Auswirkungen auf die Gehaltsstruktur.

Auch innerhalb der einzelnen Branchen sorgen die 12 Euro Mindestlohn für frischen Wind, allen voran bei den Dienstleistungsunternehmen: Gut ein Drittel der Belegschaft wird hier von Oktober an mehr Gehalt verdienen als vorher. In den anderen Branchen betrifft die Lohnsteigerung immerhin ein Viertel der Belegschaft.

„Auf dem hart umkämpften Arbeitskräftemarkt bietet die Regelung eine Chance auf mehr Bewegung“, sagt Christoph Kahlenberg, Arbeitsmarktexperte bei Randstad. Inzwischen gebe es nicht mehr nur einen Mangel an Fachkräften, sondern es fehlten grundsätzlich Arbeitskräfte in vielen Bereichen. „Wichtige Berufe, die aufgrund niedrigerer Löhne weniger beliebt waren, werden durch die Erhöhung wieder attraktiver“, glaubt er. Die Anhebung sorge außerdem für eine positive Grundstimmung: „Sie ist ein wichtiges Signal, da sich so die Kaufkraft erhöht und die durch Corona geplagte Wirtschaft unterstützt wird.“

Die Ergebnisse der Befragung im Einzelnen sind hier abrufbar.

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