Die Frauenerwerbsquote hat Einfluss auf die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen. Aber selbst, wenn man sie berücksichtigt, bleibt der Gender Pay Gap in Deutschland einer der größten in Europa, wie eine neue Analyse zeigt.

Bei einer hohen Frauenerwerbsquote fließen auch viele gering verdienende Frauen in die Berechnung des Gender Pay Gaps ein, berichten Julia Schmieder und Katharina Wrohlich vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). Umgekehrt sei der Gender Pay Gap in Ländern mit niedrigen Frauenerwerbsquoten vergleichsweise gering, weil dort oft nur die Frauen mit hohem Lohnpotenzial erwerbstätig sind. So hat Italien beispielsweise mit 5,5 Prozent eine der niedrigsten Lohnlücken in Europa. Dort sind jedoch auch nur 56,2 Prozent der Frauen erwerbstätig, während es in Deutschland 74,3 Prozent sind.

Vergleicht man die Bundesrepublik nun aber lediglich mit Ländern, in denen die Frauenerwerbsquote ähnlich hoch ist, bleibt der Gender Pay Gap nach wie vor einer der höchsten in Europa. 2019 lag er bei 19 Prozent. Seit Jahren ändert sich daran nicht viel. In Europa stehen den Forscherinnen zufolge in diesem Vergleich lediglich Österreich und Estland noch schlechter da. Ein Naturgesetz ist das nicht: In Dänemark, Norwegen, Finnland und Schweden sind teilweise mehr Frauen erwerbstätig als in Deutschland. Die Lohnlücke zu Männern ist dort aber oft deutlich geringer.

„Aus dem Muster, wonach eine höhere Frauenerwerbsquote wie in Deutschland mit einem höheren Gender Pay Gap einhergeht, lässt sich also ausbrechen“, konstatiert Schmieder. Dafür brauche es aber eine Familienpolitik mit starken gleichstellungspolitischen Elementen. Hier sehen die Autorinnen noch Nachholbedarf. Zwar habe es mit der Einführung des Elterngeldes und dem Kita-Ausbau Schritte in die richtige Richtung gegeben. Vor allem sollte aber das Ehegattensplitting reformiert werden, das in seiner jetzigen Form die Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt konterkariere. Als weitere Maßnahmen werden die Ausweitung der Partnermonate beim Elterngeld und die Einführung einer Familienarbeitszeit vorgeschlagen.

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