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27.03.2020

Tarifvertragliche Aufstockung des Kurzarbeitergeldes nur in wenigen Branchen geregelt

Um den Verlust von Arbeitsplätzen zu vermeiden, erfüllt das Instrument der Kurzarbeit eine wichtige Funktion in Krisensituationen. Beschäftigte müssen aber deutliche Einkommenseinbußen in Kauf nehmen und erhalten nur gesetzliche 60 bzw. 67 Prozent (Eltern mit Kindern) ihres bisherigen Nettogehalts.

Laut einer aktuellen Übersicht des WSI-Tarifarchivs der Hans-Böckler-Stiftung gibt es zur Aufstockung des Kurzarbeitergeldes teilweise branchenspezifische eigene Regelungen der Tarifvertragsparteien. Die Beschäftigten erhalten demnach 75 bis 97 Prozent des Nettogehalts, Mitarbeiter der Deutschen Bahn 80 Prozent des Bruttogehalts, indem das staatliche Kurzarbeitergeld gemäß Tarifvertrag vom Arbeitgeber bezuschusst wird.

Unternehmen wie die Deutsche Telekom und die Deutsche Bahn AG böten solche Aufstockungen ebenso an wie der Volkswagen-Konzern, bei dem das Kurzarbeitergeld abhängig von den Entgeltstufen auf 78 bis 95 Prozent erhöht werde und Mitarbeiter der niedrigsten Entgeltgruppen die höchsten Zuschläge erhielten. Seit kurzem gelte auch für die Beschäftigten der Systemgastronomie eine tarifvertragliche Regelung zur Aufstockung des Kurzarbeitergeldes auf 90 Prozent des Nettoentgelts. Eine flächendeckende Aufstockungsregelung gebe es für die Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg, dort werde das Kurzarbeitergeld abhängig vom Umfang der Kurzarbeit auf 80,5 bis 97 Prozent des Nettogehalts erhöht. Weitere Branchen seien die chemische Industrie, die holz- und kunststoffverarbeitende Industrie in Sachsen, das KFZ-Handwerk in Bayern sowie der Groß- und Außenhandel in Nordrhein-Westfalen.

Von diesen Aufstockungsregelungen profitiert nach Expertenmeinung aber lediglich eine Minderheit der Tarifbeschäftigten. "Insbesondere in den klassischen Niedriglohnsektoren gibt es oft keine tarifvertraglichen Zuschüsse zum staatlichen Kurzarbeitergeld", erklärt das WSI-Tarifarchiv. "Gerade Beschäftigte mit geringem Einkommen können jedoch bei einem Nettoeinkommensverlust von 40 Prozent nicht lange über die Runden kommen. Für die Zeit der Corona-Krise sollte deshalb eine generelle Aufstockung des Kurzarbeitergeldes vorgenommen werden."

Dieser Beitrag wurde erstellt von Dr. Frank Walpuski.


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